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Das glückliche Osterei

Das glückliche Osterei Eier gehören zum Osterfest wie das Salz zur Suppe. Leider denkt im Ostertrubel kaum jemand an die Herkunft der bunten "Lecker-Ei".

Bereits kurz nach Weihnachten beginnt in vielen Supermärkten der Verkauf knallbunt bemalter oder gefärbter Eier, mit denen viele Menschen sich und ihren Lieblingen zu Ostern eine Freude bereiten möchten. Manche Leute haben hingegen erheblich mehr Spaß daran, kurz vor Ostern mit ein wenig Farbe und viel Phantasie ihre eigenen vergänglichen Kunstwerke zu schaffen, weshalb sie ungefärbte, jungfräulich weiße Eier einkaufen. Seien es nun ausgeblasene Eier, deren künstlerisch aufgewertete Schalen am Osterstrauch baumeln oder aber klassische Ostereier, wie sie an den Feiertagen nicht nur auf den Frühstückstischen, sondern auch in den Osternestern zu finden sind, der größte Teil dieser Eier stammt bedauerlicherweise nach wie vor aus Legebatterien.

Hennen in einer Legebatterie Zwar hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren an Gesetzentwürfen gearbeitet, die Millionen von Legehennen in Zukunft ein besseres Leben garantieren sollten. Aber auch das ist zumindest teilweise inzwischen längst wieder Makulatur, weil sich diverse Interessengruppen dagegen weigern, den Tieren bessere Lebensbedingungen zu bieten und dafür "draufzahlen" zu müssen, weil ein geringerer Käfigbesatz mit weniger Profit einhergeht. Fakt ist deshalb nach wie vor, dass eine Legehenne in einer Batterie lediglich zwischen 450 und 550 Quadtratzentimeter Platz zur Verfügung hat. Das entspricht etwa der Fläche eines DIN-A-4-Blattes. In ihren Käfigen stehen viele dieser Tiere auf teils schrägen Drahtgittern, damit die von ihnen gelegten Eier sofort ungehindert zum Beförderungsband abrollen können. Foto © Animal Rights Pictures

Trotz aller Verschärfungen des Tierschutzgesetzes wird diese Form des Käfigs für Batteriehennen noch mindestens bis zum Jahre 2012 in Gebrauch bleiben. Wie das Nachfolgemodell aussehen wird, steht derzeit noch nicht fest. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die neuen Käfige nicht wesentlich tiergerechter sein werden. Weil viele Verbraucher auf das Leid der Legehennen aufmerksam geworden sind, stellen sich ihnen einige Fragen rund um Eier, die unter angenehmeren Bedingungen von den Tieren produziert werden.

Gibt es überhaupt Eier von wirklich glücklichen Hühnern?

Henne in einer Legebatterie Welche Alternativen bieten sich tierfreundlichen Eierkäufern? Begriffe wie "Bodenhaltung", "Freilandhaltung" oder "Bioeier" geistern in Form von Verpackungsaufdrucken durch die Supermarktregale. Aber was steckt in Wahrheit dahinter? Sind die Haltungsbedingungen für Hennen bei der Bodenhaltung besser als diejenigen für Hennen aus Biohaltung? Foto © Animal Rights Pictures

Das Begriffsdurcheinander verwirrt die Verbraucher seit Jahren und ist für den Schutz des Nutzgeflügels bedauerlicherweise eher kontraproduktiv. An dieser Stelle soll ein wenig Licht ins Dunkel des Begriffschaos gebracht werden. Hilfreich ist beim Eierkauf auf immer ein Blick auf den Stempel, den jedes Ei tragen muss. Er gibt Aufschluss darüber, woher ein Ei stammt.

Stempel auf Eiern

Bioei Jedes Ei, das in den regulären Verkauf geht (zum Beispiel in Supermärkten, in Bioläden und dergleichen), muss einen offiziellen Stempel tragen. Diese Aufdrucke verraten nicht nur, aus welchem Land und welchem Produktionsbetrieb das jeweilige Ei stammt, sondern sie verraten auch, auf welche Art es produziert wurde. Wie man auf dem rechts gezeigten Foto erkennt, besteht der Aufdruck aus einer Kombination aus Buchstaben und Zahlen. Der Bestimmungsschlüssel lautet:

0 = Biohaltung
1 = Freilandhaltung
2 = Bodenhaltung
3 = Käfighaltung (Legebatteriehaltung)
DE = Länderkürzel für Deutschland

Die Nummer 0106011 steht für den Betrieb, aus dem das Ei stammt, man nennt die Ziffernfolge daher auch die Legebetriebsnummer. Was aber bedeuten die Begriffe wie Boden- oder Freilandhaltung im Detail?

Eier aus Bodenhaltung

Die Hühner, die Eier aus Bodenhaltung liefern, leben tatsächlich auf dem Boden, allerdings in belüfteten Ställen ohne Tageslicht und mit einer großen Zahl von Artgenossen in vergleichsweise kleine Gatter eingepfercht. In diesen Gattern haben die einzelnen Hennen kaum mehr Platz für sich als die Kolleginnen aus den Legebatterien. Natürliche Staubbäder oder gar das Scharren nach Nahrung in den oberen Bodenschichten sind auf Betonböden oder schrägen Gitterrosten nicht möglich. Einige wenige vorbildliche Hühnerfarmen stellen ihren Legehennen in den Bodenhaltungsställen Schlafnester zur Verfügung, in denen die Vögel ihre Eier ablegen.

Eier aus Freilandhaltung

Huhn Hier impliziert die Bezeichnung bereits den wichtigsten Aspekt: Tatsächlich gewährt man den Hennen bei dieser Haltungsform mehr oder minder kurze Aufenthalte an der frischen Luft. Je nach Hühnerhof kann die "Frei"-Zeit der Tiere jedoch unerfreulich kurz ausfallen. Die meisten Hennen in Freilandhaltung erhalten dasselbe Futter wie ihre Batterie-Kolleginnen, das nichts mit ihrer natürlichen Nahrung zu tun hat. Ein fetter Wurm dürfte wohl für die meisten Freilandhennen ein unerfüllbarer Traum bleiben, ebenso wie eine Liaison mit einem schmucken Hahn. Stattdessen wird industrielles Futter gereicht, das eine möglichst hohe Eiproduktionsrate unterstützen soll.

Bioeier

Wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin - das ist im Fall der Bioeier glücklicherweise vollkommen richtig. Hennen, die auf Biohöfen leben, führen ein tierwürdiges Leben mit viel Auslauf sowie artgerechter, weitestgehend natürlicher Nahrung. Die Pflege von Biohühnern kostet erheblich mehr als die oben beschriebenen Haltungsmethoden in Ställen oder Batterien, was sich freilich auf den Preis der Eier auswirkt. Tierschutz ist eben auch eine Kostenfrage.

Bioeierkauf für ein tierfreundliches Osterfest

Wer zu Ostern nicht nur seiner Familie, seinen Freunden und sich selbst eine Freude bereiten, sondern auch die tiergerechte Produktion von Eiern unterstützen möchte, der sollte seine Ostereier im Bioladen kaufen oder sich im Supermarkt für echte Bioeier entscheiden. Sämtliche Hühnereier, die als Bioeier deklariert sind, stammen tatsächlich Biohaltung und von vertrauenswürdigen Vertragshändlern, sodass sich der Verbraucher sicher sein kann, sein Geld nicht für falsch deklarierte Legebatterieeier auszugeben.

Noch besser wäre es freilich, wenn man nicht nur zur Osterzeit Bioeier kaufen würde, denn Batteriehennen leiden das ganze Jahr über! Nur wenn der Verbraucher Eier aus Hühnerfolterstätten boykottiert, kann den Tieren auf die lange Sicht geholfen werden.

Eierkauf direkt beim Erzeuger auf dem Land

Die optimale Lösung in Sachen Eierkauf ist es, diese direkt beim Erzeuger abzuholen. Dort kann man sich selbst davon überzeugen, wie gut es den Hühnern geht. Meist sind die Bauern sehr freundlich und lassen einen interessierten Kunden einen Blick auf die zufriedenen Hennen werfen, die unter freiem Himmel mit viel Auslauf ihr Dasein genießen - wenn sie nicht gerade wegen einer Tierseuche wie der Vogelgrippe eingesperrt bleiben müssen.

Wenn man weiß, welcher Bauer seine Hühner artgerecht hält, kann man Eier natürlich auch auf einem der vielerorts regelmäßig abgehaltenen Bauernmärkte kaufen. Denn oftmals liegen die Höfe doch recht weit entfernt vom eigenen Wohnort.

Ostereier natürlich bemalen

Wer in Sachen Ostereier in seinen Naturschutzbemühungen noch einen Schritt weiter gehen möchte, der kann beim Bemalen der Öko-Ostereier auf natürliche Farben zurückgreifen. Tipps zu diesem Thema finden sich im Internet an vielen Stellen, auch Bioläden bieten meist Informationsbroschüren und entsprechende Farben an.

Gute Kekse, böse Kekse

Geschundene Legehenne in einer Batterie Diese leckeren, luftigen Biskuit-Kekse, die Tante Anni im letzten Jahr am Ostermontag zum Kaffee kredenzt hat, waren großartig und wandern deshalb für das diesjährige Fest in den Einkaufswagen. Hmund wie wäre es am Ostersonntag zur Feier des Tages mit richtig guten Spätzle? Eine prima Idee, auch diese Nudelspezialität wird gekauft. Und dann natürlich noch ein paar Bioeier, denn man will kein Tierleid unterstützen, erst Recht nicht an Ostern. Foto © Animal Rights Pictures

Dem für das Thema sensibilisierten Verbraucher ist vermutlich längst aufgefallen, dass dieses kleine Einkaufsbeispiel bezeichnend für das Kaufverhalten in Deutschland ist. Etliche Verbraucher sind zwar dazu bereit, Bioeier zu kaufen, weil sie die Käfighaltung der Hennen nicht unterstützen möchten. Trotzdem kaufen sie Produkte, in denen eben diese Eier aus Käfighaltung in versteckter Form enthalten sind - und unterstützen somit genau das, was sie eigentlich als abschreckend empfinden. Ihnen ist nicht bewusst, was sie kaufen, weil sie die Zutatenlisten in aller Regel nicht lesen und nicht darüber nachdenken, dass bestimmte Inhaltsstoffe in Bezug auf den konsequenten Tierschutz problematisch sein könnten.

Zahlreiche Lebensmittel enthalten Eier, Eiklar oder Eigelbund bei konventionell gefertigten Lebensmitteln stammen diese Eier fast ausnahmslos aus Legebatterien. Eierspätzle und -nudeln, zahlreiche Gebäcksorten und sogar Süßspeisen aus dem Kühlregal sowie Fertigsalate oder Mayonnaise enthalten Eier, ohne sie wäre ihr Geschmack nur halb so gut oder die Herstellung gar nicht erst möglich. Glücklicherweise finden sich in Bioläden Alternativen, denn dort sind Produkte erhältlich, die Bioeier enthalten. Oder aber man liest im Supermarkt die Zutatenliste und greift zu solchen konventionellen Produkten, die keine Eier oder Eierzeugnisse enthalten, denn auch auf diese Weise kann man durch sein Kaufverhalten Eier aus Käfighaltung boykottieren.

Sonstiges zum Thema

Stets aktuelle Informationen und Nachrichten über Legehennen und Legebatterien finden sich im Themencenter industrielle Tierhaltung bei tierrechte.de. Bei wb13.de beschreiben poetische Worte die traurige Situation der Batteriehenne Roberta.

Das Kontrastprogramm zu all diesen schrecklichen Inhalten verbreitet allein schon durch den hinterlegten "Hühnersong" richtig gute Laune, also die PC-Lautsprecher einschalten und hier klicken: Rent-A-Chicken.

Sachliche Informationen über das Produkt "Hühnerei" finden sich beispielsweise auf der Website des Vereins für kontrollierte Tierhaltungsformen. Einen Artikel über befreite Legehennen hat die WELT veröffentlicht.

Fotos und Text © Gaby Schulemann-Maier

Keine Tiere ins Osternest!

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