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Osterfeuer - tödliche Gefahr für Vögel

Zur Osterzeit lodern in Deutschland vielerorts traditionelle Osterfeuer - ein an sich heidnischer Brauch, der hier zu Lande auf die alten germanischen Stämme zurückzuführen ist. Bereits mehrere Monate vor Ostern beginnen Gemeinden, Privatpersonen, Gartenbesitzer und Vereine mit dem Sammeln von Brennmaterial, um damit ein möglichst großes Feuer zum Lodern zu bringen. Reisig, Äste und Gestrüppreste werden zu Haufen ansehnlicher Größe aufgeschichtet, die zudem meist mitten auf einem freien Gelände liegen. Solche Haufen sind für viele Tiere, die von der Osterfeuertradition des Menschen nichts ahnen können, eine offene Einladung, sich zwischen den toten Zweigen einzunisten und letztlich darin den Tod zu finden.

Im zeitigen Frühjahr beginnen viele Vogelarten mit der Brut und Jungenaufzucht. Die Osterzeit fällt für sie mitten in die Brutsaison. Etliche heimische Singvogelarten bevorzugen als Nistplatz Hecken und Gestrüpp, die durch das Einwirken des Menschen auf die natürlichen Gegebenheiten der Landschaft in zunehmend geringerem Maße vorhanden sind. Den Tieren kommen die für die Osterfeuer aufgeschichteten Reisighaufen als vermeintlich sichere Nistplätze in Ermangelung von Hecken daher besonders gelegen. Vogelarten wie die Heckenbraunelle, das Rotkehlchen, Amseln oder der zierliche Zaunkönig gehören zu den Tieren, die ihre Kinderstube gern in Reisighaufen errichten.

Vogelnest Brütende Vogelweibchen verhalten sich bei einer Störung möglichst still. Sie pressen sich flach in ihr Nest und fliegen nicht davon. Ein in einem Reisighaufen brütendes Vogelweibchen presst sich daher flach in sein Nest, wenn sich ihm Menschen nähern. Das Tier gehorcht seinen natürlichen Instinkten, sich, den Standort des Nests, des Geleges oder gar der bereits geschlüpften Jungen nicht zu erkennen zu geben. Wird der Reisighaufen angezündet, verbleibt das verängstigte Weibchen stumm und unbeweglich auf seinem Nest, bis es entweder von den Flammen erfasst und bei lebendigem Leibe verbrannt wird oder qualvoll am beißenden Rauch erstickt. So wie den brütenden Vogelweibchen geht es bedauerlicherweise vielen weiteren Tieren, die sich gern in Reisighaufen aufhalten, darunter beispielsweise Amphibien, Spitzmäuse und Igel.

Rotkehlchen Damit die Grundlage für Ihr Osterfeuer nicht zum Scheiterhaufen für arglose Tiere wird (siehe Nachrichten-Link vom 07.04.2015 ganz unten auf dieser Seite), sollten Sie einige wichtige Regeln beachten. Wer einen Reisighaufen erst wenige Tage vor Ostern aufschichtet, bietet den Tieren kaum eine Gelegenheit, sich häuslich darin einzurichten. Haufen, die schon längere Zeit an Ort und Stelle liegen, sollte man unbedingt vor dem Anzünden umschichten und auf gegebenenfalls vorhandene "Untermieter" überprüfen. Findet man dabei ein Vogelnest, sollte es sich natürlich von selbst verstehen, den Haufen nicht wie geplant anzuzünden. Auch sollte man auf weiteres Umschichten verzichten, um das brütende Vogelweibchen nicht zu Tode zu erschrecken. Igel und Kleinsäuger hingegen lassen sich vergleichsweise leicht aus ihrem Versteck vertreiben, wobei man sich jedoch gut überlegen sollte, ob es einem wirklich so wichtig ist, für einige Stunden ein eigenes Osterfeuer zu haben oder lieber vielen seltenen Tieren über längere Zeit ein sicheres Zuhause zu bieten. Vor dem Hintergrund der Habitatzerstörung betrachtet, sind Reisighaufen viel zu schade zum Abbrennen, da sie nicht nur für Vögel einen hervorragenden Ersatz für die kaum noch vorhandenen Hecken bilden.

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Fotos und Text © Gaby Schulemann-Maier

Keine Tiere ins Osternest!