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Futterauswahl für erwachsene Wildvögel

Dieser Kranich frisst kein TaubenfutterDie Wahl des richtigen Futters hängt maßgeblich von der jeweiligen Vogelart ab. Unsere heimischen Vögel haben sich auf bestimmte Futtermittel spezialisiert und etliche Vogelarten haben ähnliche Bedürfnisse an die Nahrung. Deshalb lassen sie sich zu Gruppen zusammenfassen, die in diesem Kapitel vorgestellt werden. Bitte lesen Sie diese Informationen sorgfältig, denn wer in Not geratenen erwachsenen (und auch jungen) Wildvögeln in menschlicher Obhut die falsche Nahrung anbietet, riskiert schwere Gesundheitsschäden oder gar den Tod der gefiederten Schützlinge. Es kann beispielsweise geschehen, dass die Tiere verhungern, obwohl sie vor einem aus menschlicher Sicht prall gefüllten Futternapf sitzen wie der in diesem Absatz gezeigte Kranich. Taubenfutter ist für diese Vögel jedoch nicht optimal geeignet. Wird einem Vogel das falsche Futter vorgesetzt, wühlt er oft lediglich mit dem Schnabel im Napf, frisst aber meist nichts von der angebotenen Ration. Foto © Ingrid Roeschke

Körnerfresser
Vertreter der Gimpelartigen wie Zeisige und Gimpel, darüber hinaus Berg- und Buchfinken, Ammern und Sperlinge werden im Volksmund auch als Körnerfresser bezeichnet. Ihnen bietet man ein handelsübliches Körnerfuttergemisch an, wie es für Ziervögel im Zoofachhandel erhältlich ist. Je nach Größe der Vogelart, sollte das Futter aus kleineren bis größeren Körnern bestehen. für Vögel, die etwa sperlingsgroß sind, eignet sich ein Waldvogelgemisch oder auch Kanarienfutter.

 Wachtel im Futternapf   Haussperling mit Futter
Foto links © Anke Dornbach, Foto rechts © Nina Decker

Größere Arten wie Kleiber, Kernbeißer oder Gimpel fressen eher größere Körner, ihnen kann man beispielsweise eine gute Mischung für Großsittiche anbieten. Zusätzlich mögen viele Körnerfresser ihrem Namen zum Trotz auch frische Wildkräuter, Salat, Früchte (beispielsweise Äpfel, Beeren) und gehackte Nüsse. Welche Frischkost Sie Wildvögeln anbieten können, erfahren Sie auf dieser Seite über die Ernährung von Ziervögeln.

Großen Tauben (z. B. Stadt- und Ringeltauben) bietet man ein handelsübliches Taubenfutter an, welches zum Beispiel im Landhandel oder Raiffeisenmarkt erhältlich ist. Die kleineren Türkentauben bevorzugen ein nicht ganz so grobes Futter. Gut eignet sich für diese Art eine Mehrkorn-Getreidemischung aus dem Reformhaus oder Drogeriemarkt.

Drosselartige, zu denen unter anderem die Amsel zählt, aber auch Stare erhalten als Hauptnahrung Honigalleinfutter oder (darüber hinaus) Beoweichfutter. Dieses kann mit klein geschnittenen Früchten vermischt werden. Auch Futterinsekten sind ein sehr willkommener Leckerbissen, weshalb wir diese Vögel auch weiter unten unter den Insektenfressern noch einmal aufführen.

Ausführliche Informationen zu Futtertieren finden Sie in unserer Jungvogelaufzuchts-Rubrik.

Allesfresser
Rabenvögel gelten im Tierreich als Allesfresser. Das heißt jedoch nicht, dass sie jedes angebotene Futtermittel vertragen oder mit minderwertigen Resten gefüttert werden sollten. Diesen Vögeln reicht man Tatar, eingeweichte Katzentrockenbröckchen, Eier in allen Variationen, Obst und Früchte, Futterinsekten, Quark, Hüttenkäse, Honigalleinfutter und eingeweichte Beoperlen. Bitte lesen Sie hierzu unseren Sonderbeitrag zum Thema Rabenvögel.

Insektenfresser
Zur großen Gruppe der Insektenfresser genannten Vogelarten gehören unter anderem Vertreter der Baumläufer, Heckenbraunellen, Wintergoldhähnchen und Sommergoldhähnchen, Grasmücken (zum Beispiel Mönchsgrasmücken), Meisen, Sänger wie zum Beispiel Amseln, Schwalben, Schwanzmeisen, Bachstelzen und Zaunkönige. Sie erhalten als Nahrung Futterinsekten und ein wenig Insektentrockenfutter. Welche Futterinsekten geeignet sind, ist hier ausführlich beschrieben.

Erwachsene (adulte) Spechte fressen in vorübergehender Gefangenschaft erfahrungsgemäß nur lebende Futterinsekten, am liebsten Mehlwürmer. Man kann es auch mit Honigalleinfutter, gehackten Erdnüssen und klein geschnittenen Früchten versuchen, da manche Spechte diese Nahrung annehmen.

Mauersegler und Alpensegler werden ausschließlich mit Heimchen gefüttert. An dieser Stelle möchten wir auf die hervorragende Broschüre über die Aufzucht und Pflege dieser Vögel von Dr. Christiane Haupt verweisen: siehe Mauersegler.com.

Fischfresser
Eisvogel nach dem BadeBesonders kritische Kandidaten sind Eisvögel, siehe Foto rechts. Ihre Ansprüche an artgerechtes Futter sind recht hoch. Sie brauchen lebende Süßwasserfische in der richtigen Größe (etwa fünf bis acht Zentimeter lang). Wer einen Teichbesitzer kennt, hat vielleicht Glück, dass dieser weiterhilft, ansonsten hilft nur der Besuch eines Zoogeschäftes, um dort Fische in der passenden Größe einzukaufen.

Damit Eisvögel ihre Nahrung annehmen, muss sie richtig angeboten werden. Bewährt hat sich folgende Methode: Die lebenden Fische werden in einer flachen, mit Wasser gefüllten Schale angeboten, aus der der Eisvogel sie fangen und fressen kann. Achtung, die Fische sollten nicht dauerhaft in einer flachen Schale gehalten werden, weil der Sauerstoff im Wasser zu schnell aufgebraucht ist und sie dann sterben. Für den Eisvogel werden sie dadurch als Nahrung unattraktiv. Haben Sie einen Eisvogel als Pflegling und anfangs keine Fische zur Hand, kann man dem Vogel als Übergangs-Notfalllösungmit einer Futterspritze fein püriertes ad-Katzenfutter (beim Tierarzt erhältlich) eingeben. Foto rechts © Anke Dornbach

Nahrungsvorlieben von Wasservögeln
Sich in menschlicher Obhut befindende Enten, Gänse und Säger bringt man, wenn die Krankheit es zulässt, tagsüber in einem Freigehege, wie es sie etwa für Kaninchen gibt, auf einer Wiese unter. Hier sollten eine Badeschale mit Wasser, eine Trinkschale und ein Napf mit Futter für die Tiere bereitstehen. Als Futter eignet sich zum Beispiel eine flache Wasserschale mit Entenkorn (im Landhandel erhältlich), Insektenfutter, Garnelen, ein wenig eingeweichtem Brot und klein geschnittenem Grünzeug. Teichlinsen sind sehr gut geeignet, da der Vogel diese sicherlich bereits kennt. Auch eine Versteckmöglichkeit darf nicht fehlen, beispielsweise eine offene Katzentransportbox, mit einem Tuch ausgelegt, in der man abends den Vogel ins Haus tragen kann.

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