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Verletzter oder kranker Altvogel gefunden - was nun?

Verletzte Möwe Wenn Sie einen verletzten oder kranken Vogel finden, schauen Sie bitte nicht weg, versuchen Sie vielmehr, ihm zu helfen, oder lassen Sie ihn gegebenenfalls von einem Tierarzt von seinen Leiden erlösen. Ist dem Vogel offensichtlich nicht mehr zu helfen, greifen Sie bitte nicht zu solchen Maßnahmen, wie Erschlagen oder dergleichen. Die grausigen Bilder werden Sie sonst sehr lange verfolgenund ein zweites Mal werden Sie das sicher nicht mehr tun wollen. Foto rechts © Anke Dornbach

Lassen Sie einen tödlich verletzten oder erkrankten Vogel deshalb unbedingt von einem Tierarzt einschläfern. Es gibt außerhalb der Sprechzeiten rund um die Uhr auch einen Notdienst unter den Tiermedizinern. Welcher Arzt gerade Notdienst hat, erfahren Sie entweder aus der Tageszeitung, oder Sie rufen einen beliebigen Tierarzt an und erfahren dann meist von dessen Anrufbeantworter, an wen Sie sich wenden können.

Das Einfangen eines in Not geratenen Wildvogels ist oft nicht ganz einfach. Bewahren Sie Ruhe und versuchen Sie, den Vogel nach Möglichkeit in eine Ecke oder an eine Wand zu treiben, wo er sich leichter einkreisen lässt. Verletzte Tauben lassen sich manchmal durch Streuen von Futter in eine bestimmte Richtung manipulieren. Sehr hilfreich ist es, wenn Sie eine Decke oder eine Jacke bei sich haben, die Sie über den Vogel werfen können.

Haben Sie den Vogel erfolgreich eingefangen, bringen Sie ihn am besten erst einmal in einem luftdurchlässigen Karton unter. Einen Karton können Sie z.B. in einem Geschäft in der Nähe erbitten. An einem ruhigen, sicheren Ort können Sie den Vogel nun untersuchen.

  • Sind äußere, blutende Verletzungen erkennbar?
  • Liegen Knochenbrüche (Flügel, Beine) vor?
  • Wirkt der Vogel apathisch?
  • Ist der Kloakenbereich verschmiert oder verkrustet?
  • Ist der Vogel stark abgemagert?

An dieser Stelle können natürlich nicht sämtliche eventuell vorkommenden Verletzungen und Krankheiten, die einen Wildvogel ereilen können, beschrieben werden. Wir beschränken uns daher auf einige Notfallsituationen, mit denen man unserer Erfahrung nach vergleichsweise häufig konfrontiert wird.

In den meisten Fällen sollte der Vogel einem vogelkundlichen Tierarzt vorgestellt werden, der dann die Behandlungsmaßnahmen festlegt. Zuvor können Sie dem Vogel jedoch wertvolle erste Hilfe leisten.

Die Betreuung eines kranken Vogels kann mehrere Tage bis Wochen in Anspruch nehmen, in der er auf zuverlässige Hilfe und Verpflegung durch seinen menschlichen Pfleger angewiesen ist.

Wildvögel besitzen eine natürliche Scheu vor dem Menschen, die sich sogar in Panik äußern kann. Der Vogel versteht nicht, dass Sie ihm eigentlich helfen möchten, er wird Sie stets als bedrohlich und gefährlich ansehen. Bitte erwarten Sie daher nicht so etwas wie "Dankbarkeit" von Ihrem Pflegling.

Mauersegler Maciej Entgegen anders lautender Meinungen und "Weisheiten" sollten Sie niemals einen auf dem Boden vorgefundenen Wildvogel in die Luft werfen! Vor allem über Alpen- und Mauersegler wird immer wieder gesagt, man solle einen am Boden liegenden Vogel in die Hand nehmen und ihm Starthilfe leisten, indem man ihn hochwirft. Dies könnte den Vogel töten, denn nur ein Kranker oder verletzter und damit flugunfähig gewordener Vogel geht zu Boden! Sämtliche hilflos aufgefundenen Altvögel sind grundsätzlich als Notfall zu betrachten, und man sollte sie unbedingt mit allergrößter Vorsicht behandeln. Vögel, die fit genug sind, starten aus der ausgestreckten Hand aus eigener Kraft. Gehen sie danach unmittelbar wieder zu Boden, muss ihnen durch den Menschen geholfen werden, indem sie einem versierten Pfleger zum Aufpäppeln übergeben werden. Foto rechts © Anke Dornbach

Sollten Sie also einen verletzten oder kranken Altvogel gefunden und ihn vom Tierarzt versorgen lassen haben, das Tier jedoch nicht selbst bis zu seiner vollständigen Genesung pflegen können, so sollten Sie sich an einen fachkundigen Pfleger wenden. Eine Liste mit Auffangstationen aus ganz Deutschland finden Sie hier.

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