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Gefahren bei der Aufzucht

Wird Ihr Vogelpflegling artgerecht ernährt und untergebracht, sind zwei wichtige Faktoren erfüllt und Sie befinden sich auf dem richtigen Weg. Aber es gibt weitere Dinge, die Sie unbedingt beachten sollten, um ein späteres Überleben Ihres gefiederten Pfleglings in Freiheit zu gewährleisten. Denn damit ein Vogel wildnistauglich ist, muss er seine eigenen Instinkte behalten, was bedeutet, dass er Menschen nicht als Futterquelle oder gar als Partnerersatz sehen sollte.

Fehlprägung auf den Menschen
Grasmücke und SchwanzmeiseEinen einzelnen jungen Wildvogel aufzuziehen, ist immer problematisch, da er keine Artgenossen als Bezugsindividuen hat. Dadurch kann es sehr leicht zu Fehlprägungen auf den Menschen kommen. Das heißt, die Vögel werden nicht einfach nur besonders zahm, sondern halten Menschen für ihre echten Artgenossen, was für eine spätere Auswilderung der Tiere äußerst problematisch werden kann. Denn einerseits fliegen diese Vögel nur ungern davon. Und andererseits suchen sie permanent die Nähe des Menschen, was für denjenigen, der die Vögel großgezogen hat, vielleicht angenehms ein mag. Doch Fremde fürchten sich vielleicht.  Und spätestens wenn wehrhafte Tiere wie Rabenvögel geschlechtsreif werden und "ihren" Menschen gegen vermeintliche Nebenbuhler verteidigen, kann die Situation äußerst unangenehm werden. Die Abbildung in diesem Absatz zeigt eine Grasmücke und eine Schwanzmeise, die gemeinsam großgezogen worden sind. Foto © Dagmar Offermann

Freundschaft zwischen Feldsperling (links) und GrauschnäpperEs ist deshalb ungemein wichtig, dass stets mehrere Jungvögel gleichzeitig aufgezogen werden. Dabei ist es nicht einmal unbedingt erforderlich, dass es sich um mehrere Jungvögel derselben Art handelt. Das Wildvogelhilfe-Team haben beispielsweise "Freundschaften" zwischen Haussperling und Kohlmeise, oder auch Hausrotschwanz und Rotkehlchen beobachten können. Nebenstehend ist eine solche Freundschaft zwischen einem Feldsperling (links) und einem Grauschnäpper zu sehen. Die beiden Vögel wurden erfolgreich gemeinsam großgezogen. Foto © Bianca Scherleitner

Besonders Meisen neigen leider sehr stark zur Zutraulichkeit gegenüber dem Menschen, was ihr späteres Auswildern erheblich erschwert. Auch Rabenvögel sollten auf jeden Fall zu mehreren aufgezogen werden, egal, ob Krähen mit Elstern oder Eichelhähern, denn auch sie neigen sonst leicht zu Fehlprägungen. Diese Bindungen zu anderen Vögeln sind immer besser als jede enge Beziehung zum Menschen. Daher sollte man nach Möglichkeit keine Vögel einzeln, also ohne Artgenossen, aufziehen.

Sollten Sie dennoch nur ein Einzelexemplar einer Vogelart oder Gattung, also nahe verwandter Arten, zur Aufzucht in Ihrer Obhut haben, lohnt sich deshalb ein Anruf bei der Unteren Naturschutzbehörde oder dem Tierschutzverein. Dort erfahren Sie, wer in Ihrem Landkreis eine Wildvogelstation betreibt und können Ihren Vogel dort hinbringen. Vielleicht trifft aber auch der umgekehrte Fall ein und die Aufzuchtsstation vertraut Ihnen einen weiteren Vogel zur Aufzucht anv.

Fehlgeprägter HaussperlingErgibt sich trotz alle Bemühungen keine Möglichkeit, Ihren Vogel mit anderen Jungvögeln zu vergesellschaften, ist nun von Ihrer Seite strenge Disziplin und Zurückhaltung gefordert. Vermeiden Sie jeden engen und vor allem unnötigen Kontakt zu dem Jungvogel. Suchen Sie ihn ausschließlich zum Füttern auf und ziehen Sie sich danach sofort wieder zurück. Besonders Kindern fällt dies oftmals schwer. Aber nur auf diese Weise können Sie vermeiden, dass er zahm und auf den Menschen geprägt wird. Sollten Sie selbst das Bedürfnis nach einem zahmen Vogel verspüren, so lassen Sie bitte nicht einen Wildvogel dafür herhalten. In Tierheim Ihrer Heimatstadt sind bestimmt Ziervögel untergebracht, die sich über ein schönes, neues Zuhause und liebevolle Pflege sehr freuen würden. Foto in diesem Absatz: Fehlgeprägter Haussperling, © Elisabeth Scherer

Ist Ihr Jungvogel trotz aller Vorsicht und Zurückhaltung dennoch zahm geworden, so hilft in den allermeisten Fällen eine etwa zweiwöchige Unterbringung in einer Freivoliere nach dem Erreichen der Selbstständigkeit. Auf diese Weise tritt bei den meisten Wildvögeln mit etwas Glück schließlich doch noch ihre Wildheit wieder in den Vordergrund.

Fehlprägung auf andere Haustiere:
Fehlgeprägter Grünfink mit MeerschweinchenHaben Sie zu Hause eine Katze oder einen Hund, so sollten diese nicht in die Nähe und Sichtweite des Jungvogels gelassen werden. Dies gilt ebenso für andere Haustiere. Zum einen besteht natürlich Gefahr, dass Ihre Haustiere den Vogel als Beute betrachten, wodurch dieser unnötig in Panik versetzt wird. Fatal ist es jedoch auch, wenn sich die Tiere nicht weiter um den Vogel kümmern und sich ihm gegenüber harmlos verhalten, denn dann wird der Jungvogel in seinem bevorstehenden Leben in Freiheit Tiere, die ihm gefährlich werden könnten, nicht als Feinde ansehen, was insbesondere im Fall der Katzen ein großes Problem darstellt. Foto rechts: Fehlgeprägter Grünfink mit Meerschweinchen, © Jürgen Kotva

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