Home > Aufzucht von Jungvögeln > Erstversorgung der Jungvögel

Erstversorgung der Jungvögel

Junge Amseln Rasche Hilfe ist in vielen Fällen überlebenswichtigund meist ist Improvisieren angesagt, um das Leben eines Vogelkindes zu retten. Prüfen Sie zuerst, ob sich der Vogel kühl anfühlt. Wärmezufuhr ist am Anfang in vielen Fällen die wichtigste Hilfsmaßnahme. Erst wenn der Vogel wieder normale Körpertemperatur hat, können Sie daran denken, ihm etwas zu fressen zu geben, auch wenn er vielleicht herzerweichend betteln mag. Einem Jungvogel Flüssigkeit einzugeben, kann jedoch sehr problematisch sein. Geben Sie ihm deshalb vorsichtshalber keine Flüssigkeit in den Schnabel. Junge Vögel - vor allem geschwächte Tiere - verschlucken sich sehr leicht. Gelangt Wasser in die Lunge, führt dies meist schnell zu einer Lungenentzündung und somit zum Tod. Im Idealfall erhält ein geschwächter Jungvogel, der zu wenig Flüssigkeit im Körper hat, also dehydriert ist, eine Infusion durch einen Tierarzt. Foto rechts: Junge Amseln, © Dagmar Offermann

Fütterung eines jungen BuchfinkenIst der Fundvogel ausreichend gewärmt, kann mit der Fütterung begonnen werden. Versuchen Sie so schnell wie möglich, artgerechtes Futter zu besorgen. Kontaktieren Sie hierzu bitte eine Auffangstation. Diese haben in der Regel entsprechendes Futter vorrätig. Mobilisieren Sie alle Familienmitglieder und Freunde, Insekten zu fangen, beispielsweise Fliegen und Grashüpfer. Welche Art von Futtertieren geeignet ist und welche nicht, können Sie hier nachlesen. Bitte keine Regenwürmer und keine lebenden Fliegenmaden verfüttern, solange Sie nicht wissen, um welche Vogelart es sich handelt! Um es sich einfacher zu machen, kann man zum Beispiel Insekten durch Aufstellen von Tellerchen mit rohem Fleisch oder Süßem (Zuckerwasser) anlocken oder man geht in nahegelegenen Ställen auf die Jagd. Foto rechts: Fütterung eines jungen Buchfinken, © Werner Schmäing

Sollte ein Zoogeschäft in Ihrer Nähe geöffnet haben, besorgen Sie sich dort bitte Heimchen. Bitte kaufen Sie nichts anderes und auf keinen Fall irgendwelches Trockenfutter wie beispielsweise Eifutter (dies ist kein Handaufzuchtfutter!) oder Insektentrockenfutter, auch keine Mehlwürmer.

Oder aber kontaktieren Sie eine Auffangstation. Wenn diese den Vogel nicht aufnehmen kann, hat sie in der Regel zumindest entsprechendes Futter vorrätig und kann im Notfall eventuell damit aushelfen.

Ansonsten mobilisieren Sie alle Familienmitglieder und Freunde, Insekten zu fangen, beispielsweise Fliegen und Grashüpfer. Welche Futtertiere geeignet sind und welche nicht, können Sie hier nachlesen. Bitte keine Regenwürmer und keine lebenden Fliegenmaden verfüttern, solange Sie nicht wissen, um welche Vogelart es sich handelt! Um es sich einfacher zu machen, kann man zum Beispiel Insekten durch Aufstellen von Tellerchen mit rohem Fleisch oder Süßem (Zuckerwasser) anlocken oder man geht in nahegelegenen Ställen auf die Jagd.

Ist es absolut nicht möglich, kurzfristig Insekten zu beschaffen, kann notfalls ein Ei mit einem Schuss Mineralwasser und einer Prise Zucker/Honig verrührt werden und in der Pfanne oder Mikrowelle gestockt werden. Lassen Sie das gestockte Ei auf Zimmertemperatur abkühlen und füttern Sie den Vogel dann mit kleinen Stücken, die Sie zuvor in zimmerwarmes Wasser getupft haben.

Dieses Notfallfutter sollte jedoch auf keinen Fall länger als maximal zwei Mahlzeiten verfüttert werden, da es schwere Verdauungsstörungen zur Folge haben kann! Dieses Notfallfutter ist nicht für Mauersegler, Schwalben und empfindliche Insektenfresser geeignet.

Falsche Ernährung und ihre Folgen
Junger Hausrotschwanz mit erheblicher Verdauungsstörung nach tagelanger Fütterung mit Ei, © Monika Löffler-FriedrichLeider meinen einige Vogelfinder, es sei einfacher, einen jungen Wildvogel mit leicht zu beschaffender, allerdings ungeeigneter Nahrung zu füttern. Oder aber sie haben irgendwo gehört oder gelesen, jemand hätte erfolgreich einen Vogel mit Ei, Hackfleisch, Quark, Nestlingsfutter oder dergleichen aufgezogen. Es kursieren zudem im Internet diverse Futterrezepte basierend auf den genannten Futtermitteln, von denen wir dringend abraten, da diese zu schwerwiegenden Schädigungen der Verdauungsorgane und des Gefieders führen können. Die Bildersammlung auf dieser Seite soll die Auswirkungen falscher Ernährung verdeutlichen. Bitte beachten Sie, dass durch eine Fehlernährung entstehende Gefiederschäden in der Wachstumsphase sehr rasch eintreten und für den betroffenen Vogel nicht selten langfristig das Todesurteil bedeuten. Ein nicht perfekt flugfähiger Vogel ist draußen nicht überlebensfähig! Foto in diesem Absatz: Junger Hausrotschwanz mit erheblicher Verdauungsstörung nach tagelanger Fütterung mit Ei, © Monika Löffler-Friedrich

Fütterung mit Quark und Ei - weil diese Amsel zu wenige Nährstoffe über die Nahrung erhalten hat, ist ihr Gefieder schwer geschädigt, © Monika Löffler-FriedrichEin großer, leider oft fataler Fehler ist außerdem die zu häufige und zu umfangreiche Fütterung am Anfang. Der gefundene Vogel ist meist bereits längere Zeit ohne Nahrung gewesen und sein empfindliches Verdauungssystem muss sich erst ganz langsam wieder an Futter, noch dazu ungewohntes, gewöhnen können. Geben Sie dem Tier daher zunächst nur kleine Portionen und warten Sie ab, bis der Vogel sie verdaut und Kot abgesetzt hat. Egal, wie stark sein Bettelgeschrei sein mag, halten Sie bitte die halbe Stunde zwischen den Fütterungen ein, um ihm Zeit zu geben, die Nahrung ausreichend zu verdauen. Foto rechts: Fütterung mit Quark und Ei - weil diese Amsel zu wenige Nährstoffe über die Nahrung erhalten hat, ist ihr Gefieder schwer geschädigt, © Monika Löffler-Friedrich

Wirkt der Vogel stark ausgehungert und schwach, kann man ihm zunächst vorsichtig eine zehnprozentige Traubenzuckerlösung einflößen. Besser ist in diesem Fall eine spezielle Elektrolyt-Traubenzuckerlösung wie Elotrans oder Oralpädon, die beide in der Apotheke erhältlich sind. Falls Sie weder Traubenzucker noch eine Elektrolytlösung für die Erstversorgung besorgen können, kann man übergangsweise auf in abgekochtem Wasser aufgelösten Honig ausweichen. Ist auch dieser nicht verfügbar, so lässt sich zur Not Tafelzucker in Wasser auflösen. Sie sollten dann aber so schnell wie möglich die oben erwähnten Elektrolyte in der Apotheke (Notdienst) beziehungsweise Traubenzucker beschaffen. Fencheltee mit darin gelöstem Traubenzucker (Honig/Zucker) ist ebenfalls eine Alternative für den Notfall.

Junge StareInsbesondere für bis auf die Knochen abgemagerte Vögel ist eine solche Elektrolyt-Traubenzuckerlösung anfangs die einzige Nahrung, die sie erhalten dürfen, bis ihr Verdauungssystem wieder in Gang gekommen ist. Sehr gut geeignet ist hierfür Amynin oder Ringerlactat, welches am besten vom Tierarzt subkutan (unter die Haut) gespritzt und anschließend von Ihnen oral (außen an den Schnabelrand) eingegeben wird. Anfangs gibt man einmal pro Stunde, in sehr schlimmen Fällen sogar halbstündlich, ein oder zwei Tropfen der Lösung mit einer Pipette über den Schnabelrand ein. Nachts muss allenfalls einmalig Lösung verabreicht werden, vorausgesetzt, Sie halten sich an die Wachzeiten des Vogels (fünf Uhr bis circa 22.30 Uhr). Am folgenden Tag gibt man jede Stunde einen Tropfen Elektrolytlösung und ein kleines Futterinsekt, am besten ein Heimchen. Setzt der Vogel im Anschluss an diese Fütterung feste Kothäufchen ab, kann man zur Gabe des im Aufzuchtfutter-Kapitel für die jeweilige Vogelart genannten Aufzuchtfutters übergehen. Foto in diesem Absatz: Junge Stare, © Dagmar Offermann

Junge Ringeltaube unter einer Wärmelampe Solche Hungerkandidaten sind darüber hinaus oftmals stark ausgekühlt. Wärmen Sie den Vogel zunächst, indem Sie ihn vorsichtig in beiden Händen halten und leicht anhauchen. Die Wärme Ihres Atems und Ihrer Hände dient zur Überbrückung der Zeit, bis Sie eine passende Unterbringung mit einer Wärmelampe gefunden haben; dieses Wärmen ist oftmals lebensrettend. Bereiten Sie dem ausgekühlten Vogel ein warmes, am besten mit Wollsocken ausgepolstertes Nest und bringen Sie eine Wärmelampe darüber an. Überprüfen Sie erst die Temperatur (35 bis 38 Grad Celsius), bevor Sie den Vogel in das Nest setzen. Foto rechts: Junge Ringeltaube unter Wärmelampe, © Stadttaubenhilfe-Online.de, Iris Gurn

 

>>> Nächstes Kapitel