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Greifvögel und Eulen aufziehen

Junger KauzNicht nur junge Singvögel können in Not geraten oder ihre Eltern verlieren. Auch Greifvögel und Eulen sind zuweilen auf die Hilfe des Menschen angewiesen, was aber vergleichsweise selten der Fall ist. In jedem intakten Ökosystem gibt es eine große Zahl von Beutetieren und relativ wenige Jäger, damit diese alle genügend Nahrung finden können. Aus diesem Grunde sind in Mitteleuropa nur wenige Eulen- beziehungsweise Greifvogelarten heimisch. Es liegt also in der Natur der Sache, dass verwaiste oder bedürftige Greife/Eulen daher erheblich seltener in die Obhut des Menschen gelangen als Singvögel. Hinzu kommt außerdem die Tatsache, dass viele Greifvögel und Eulen in Deutschland aus unterschiedlichen Gründen sehr selten geworden oder gar fast gänzlich ausgestorben sind. Foto in diesem Absatz: Junger Waldkauz, © Ingrid Roeschke

Junger TurmfalkeDie Aufzucht und Pflege junger Eulen und Greifvögel erfordert fundiertes Fachwissen, über das nur wenige Menschen verfügen. Gut gemeinte Hilfe kann rasch tödlich für die Tiere enden, wenn sie beispielsweise kein arttypisches Futter erhalten. Es ist daher ungemein wichtig, die Bedürfnisse junger Greifvögel beziehungsweise Eulen zu kennen, um ihnen tatsächlich helfen zu können. Hinzu kommt, dass sie entgegen der Darstellung der Schnee-Eule Hedwig bei Harry Potter alles andere als Kuscheltiere sind und unter Umständen recht wehrhaft sein können. Foto in diesem Absatz: Junger Turmfalke, © Dagmar Offermann

Zur Ordnung der Greifvögel, auf Lateinisch Falconiformes genannt, gehören zwei Gattungen: die Habichtartigen (Accipitridae) und die Falken (Falconidae). Etwa 15 Arten aus der Ordnung der Greifvögel kommen in Deutschland vor. Aus der Ordnung der Eulen (Strigiformes) leben in Deutschland etwa zehn Arten als Brutvögel, viele von ihnen verbringen sogar hier den Winter.

Alle in Deutschland heimischen Eulen und Greifvögel ernähren sich von Beutetieren, die sie in aller Regel selbst erlegen, sie sind also keine Aasfresser. Hinsichtlich der Jungenaufzucht durch den Menschen bedeutet dies, dass ständig frisches Fleisch vorhanden sein muss, um die Nestlinge arttypisch füttern zu können. Bei der Fütterung von Altvögeln greifen zoologische Gärten und Vogelparks beispielsweise auf tote Eintagesküken von Haushühnern zurück. Haben diese in Gefangenschaft lebenden Altvögel Nachwuchs zu versorgen, zerkleinern sie das ihnen gereichte Futter zu Beginn der Aufzucht für ihre Jungen in schnabelgerechte Häppchen.

Auch ein menschlicher Pfleger muss sehr jungen Greifvögeln und Eulen das Futter zerkleinern, was zweifelsohne keine besonders appetitliche Aufgabe ist. Überdies ist es nicht leicht, täglich frische Eintagesküken und andere artgerechte Kost einzukaufen. Ein Schnitzel aus dem Supermarkt um die Ecke tut es nämlich keineswegs! Ist das Jungtier erst einmal nahezu selbstständig, muss man ihm überdies beibringen, wie es lebende Beute zu schlagen hat. Daher ist es wichtig, ihnen diese für sie elementare Fähigkeit stellvertretend für ihre gefiederten Eltern zu vermitteln.

Basierend auf seiner langjähriger Erfahrung mit Falken, Bussarden, Milanen und Habichten berichtete ein Wildvogelpfleger dem Team der Wildvogelhilfe, dass es aufgrund des Jagdtriebes nicht nötig sei, junge Greife und Eulen das Erjagen ihrer Beute zu lehren. Man müsse ihnen nur die Zeit lassen, dass sie das Jagen erlernen können, um Erfolg zu haben. Hierzu sei es wichtig, den Jungvögeln die Möglichkeit zum Ausfliegen aus der Voliere zu bieten, sobald sie mit dem Fliegen beginnen. Dies diene außerdem dazu, dass sie nicht panisch werden, weil sie eingesperrt sind. Es beugt somit auch Gefiederschäden vor, weil die Vögel so nicht verschreckt in der Voliere umher fliegen und an das Gitter stoßen. Der Wildvogelpfleger berichtet, bisher seien alle Jungvögel spätestens am zweiten Tag wieder zur Voliere zurückgekehrt, um sich dort ihr Futter zu holen. Sobald Gewölle von potenziellen Beutetieren an der Voliere gefunden werden, könne man sicher sein, dass sich die Vögel selbst ernähren können. Wichtig bei dieser Form der Auswilderung ist es natürlich, dass die Vögel jederzeit zusätzliche Nahrung erhalten, bis sich der Jagderfolg einstellt und sie die komplette Selbstständigkeit erreicht haben.

Junge Turmfalken, die zum Fressen zur Voliere zurückgekehrt sind
Foto: junge Turmfalken, die zum Fressen zur Voliere zurückgekehrt sind, © Heinz Förster

Junger TurumfalkeWenn Sie eine verwaiste Eule oder einen in Not geratenen Greifvogel gefunden haben, sollten Sie sich unbedingt an einen erfahrenen Pfleger wenden. Oder aber Sie geben den Vogel bei einer solchen Pflegeperson oder Auffangstation ab, damit sich ein Spezialist des Tieres annehmen kann. Dies stellt nicht nur in Bezug auf die artgerechte Ernährung der Vögel die beste Lösung dar. Auffangstationen für Eulen und Greifvögel verfügen in aller Regel über die entsprechenden Kenntnisse und Volierenanlagen, um die Tiere auszuwildern, sobald sie erwachsen sind. Adressen solcher Auffangstationen finden Sie im entsprechenden Kapitel. Foto rechts: junger Turmfalke, Foto unten: junger Mäusebussard, beide © Ingrid Roeschke

Mäusebussard im Horst

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