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Unterbringung der Jungvögel

Junge Mehlschwalben im Nestersatz Bei der Wahl der passenden Unterbringung ist es erst einmal von Bedeutung, ob es sich bei dem gefundenen Vogel um einen Nestling oder um einen bereits ausgeflogenen Ästling handelt. Nackte oder wenig befiederte Vögel brauchen (Nest-)Wärme und eine hohe Luftfeuchtigkeit (ca. 50 bis 60 %). Auf gar keinen Fall sollte man das Originalnest aus der Natur verwenden. Das gilt auch dann, wenn es herabgefallen ist. Vogelnester enthalten häufig viele Parasiten, die Jungvögeln das Leben schwer machen. Was in der Natur geschieht, sollte man in menschlicher Obhut nicht unbedingt "nachahmen". Foto rechts: Junge Mehlschwalben im Nestersatz, © Dagmar Offermann

Man kann den Fundvogel je nach Größe in ein Körbchen oder eine kleine Schachtel setzen, die mit Stoffresten - gut sind ausgediente, warme Wollsocken - weich ausgepolstert sind. Watte ist nicht zu empfehlen, da ein versehentliches Schlucken der Wattefasern zu Darmverschlingungen führen kann. Außerdem können sich die Jungvögel mit ihren Krallen in der Watte verfangen oder sich daran strangulieren. Als oberste Lage dient ein Papiertaschentuch, welches nach jedem Kotabsetzen zu wechseln ist. Die Luftfeuchte lässt sich erhöhen, indem Sie feuchte Tücher zusammenrollen und um das Nest herum drapieren. Nest und feuchtes Tuch sollten zusammen in ein Behältnis gestellt werden, damit die Wärmequelle auch das Wasser zum Verdunsten bringen kann. Geeignet sind beispielsweise kleine Kühltaschen oder Styroporboxen, die natürlich genügend Luftzufuhr gewährleisten müssen. Gute Dienste leistet für Nestlinge auch eine sogenannte Faunabox. Diese hat den Vorteil, dass sie sich bei Bedarf mit einem luftdurchlässigen Deckel verschließen lässt.

Bevor Sie den jungen Vogel nun in sein neues Nest setzen, prüfen Sie bitte mit einem Thermometer die Temperatur an genau jener Stelle, an der später der Vogel sitzen wird. Sie sollte etwa 35 bis 38 Grad Celsius betragen. Sie können als Wärmequelle entweder eine Heizdecke oder eine Wärmflasche (auch nachts mit warmem Wasser nachzufüllen) unter das Nest legen oder eine 40-Watt-Glühlampe zum Bestrahlen verwenden. Infrarotstrahler erzeugen häufig eine zu hohe Temperatur und trocknen den kleinen Vogelkörper aus. IR-Strahler sollten deshalb ausschließlich in Ausnahmefällen und überdies nur von fachkundigen Vogelpflegern verwendet werden!

Jungvögel, die bereits das Nest verlassen haben, werden in einem nicht zu kleinen Vogelkäfig mit geringem Gitterabstand untergebracht, zum Beispiel in einem Käfig für Wellensittiche. Manchmal schlafen soeben flügge gewordene Jungvögel nachts noch im Nest, hüpfen aber tagsüber schon ein wenig herum. In einem solchen Fall stellt man das Nest mit in den Käfig, damit die Vögel nicht entwischen können.

Haussperling und Grünfink Als Bodenbelag eignen sich mehrere Lagen Zeitungs- oder Küchenpapier. Ein zusammengeknülltes Tuch am Boden wird gerne als erster Sitzplatz genutzt. Später ist der Käfig mit frischem Grün und ungespritzten Zweigen auszustatten. Foto rechts: Haussperling und Grünfink, © Anke Dornbach

Manche Jungvögel, die bereits etwas größer sind, versuchen mit dem Schnabel durch das Gitter zu schlüpfen, wobei sie sich im schlimmsten Fall die empfindliche Wachshaut (Haut an der Nase) verletzen. Hier helfen zurechtgeschnittene Streifen aus Pappe, oder besser aus durchsichtiger Fensterfolie, welche mit Klebstreifen von innen am Gitter befestigt werden. Bei sehr scheuen Vögeln bedeckt man den Käfig zur Hälfte mit einem hellen Tuch, damit sie sich verstecken können und in ihrer Behausung sicher fühlen.

Ausnahme: Junge Mauersegler dürfen niemals in einem Käfig untergebracht werden! Wie man Mauersegler am besten unterbringt, können Sie im Kapitel "Unterbringung junger Mauersegler" nachlesen.

Vogelarten, die ihren Nachwuchs im Dunkeln aufziehen, dies sind beispielsweise Höhlenbrüter oder Mehlschwalben, sollten bis zum Ausfliegen nach Möglichkeit dunkel gehalten werden. für Mehlschwalben sind im Fachhandel spezielle Kunstnester erhältlich (Bezugsquelle: Schwegler), es reicht aber auch ein Behältnis mit einem leicht zusammengedrückten, dunklen Tuch - zum Beispiel mit einem Geschirrtuch -, unter dem sie sich verkriechen können. Deckt man das Nest noch zusätzlich zur Hälfte mit Pappe ab, werden sich die Pfleglinge darin mit Sicherheit wohl fühlen.

Junge Stadttauben Junge Tauben sitzen ausgesprochen gern in Tongefäßen, am liebsten in flachen, runden Tonschalen - und wie alle anderen Vogelarten natürlich ungern allein. Die Tiere kuscheln sich in solchen Tonschalen wie in einem natürlichen Nest eng aneinander, was bei sozial lebenden Vögeln ein wichtiges Grundbedürfnis der heranwachsenden Jungtiere ist. Sie brauchen die Nähe und Wärme mindestens eines Geschwisters, um sich nicht einsam zu fühlen. Deshalb sollte man beispielsweise einzelnen jungen Tauben zur Not ein Kuscheltier mit in die Tonschale setzen, an das sie sich schmiegen können. Foto rechts: Junge Stadttauben, © Anke Dornbach

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