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Wasservögel aufziehen

Junge Stockente Viele junge Wasservögel laufen oft an Land in mehr oder minder großer Nähe eines Gewässers mit ihren Geschwistern und Eltern umher. Die Tiere sind meist auf der Suche nach Nahrung, wenn sie im Familienverband diese "Spaziergänge" unternehmen. Besonders junge Stockenten geraten in solchen Situationen aufgrund jagender Hunde oder stark befahrener Straßen relativ oft in Lebensgefahr und verlieren bei der Flucht den Anschluss an ihre Eltern und Geschwister. Aber auch andere Wasservögeln, darunter junge Teich- und Blässhühner, kann dieses Schicksal ereilen. Auf sich allein gestellt, haben die jungen Vögel praktisch keine Überlebenschancen und bedürfen menschlichen Beistands. Allerdings stellen Wasservögel einige besondere Ansprüche an ihren Pfleger. Foto rechts: Junge Stockente, © Anke Dornbach

Unterbringung
Kuschelnde Stockenten Entenartige Vögel besitzen sehr empfindliche Füße mit Schwimmhäuten. Die zu den Rallen gehörenden Blässhühner haben hingegen sogenannte Schwimmlappen an den Füßen. Teichhühnern fehlen solche Schwimmhilfen an den Füßen gänzlich, obwohl sie dennoch zu den Wasservögeln gehören. Besonders junge Entenartige benötigen eine weiche Unterlage in ihrer Behausung. Gut eignen sich zum Beispiel Handtücher, die in mehreren Lagen übereinander geschichtet und locker zusammengedrückt werden. Als Behausung für noch sehr junge Wasservögel kann man eine große Plastikwanne mit hohen Wänden verwenden. Um zu verhindern, dass die Vögel daraus entkommen - sie können recht gut hüpfen -, ist ein entsprechender Schutz anzubringen. Foto rechts: Kuschelnde Stockenten, © Anke Dornbach

Junges Blässhuhn Sehr wichtig ist eine Wärmequelle. Meistens kauern sich alle jungen Pfleglinge eng zusammen in eine Ecke, womit sie sich gegenseitig wärmen und ihr Bedürfnis nach engem Körperkontakt erfüllen. Bringen Sie oberhalb dieser bevorzugten Ecke der Behausung eine Wärmelampe an, beispielsweise einen Infrarot-Dunkelstrahler. Der Abstand zwischen Strahler und Vögeln sollte nicht zu klein sein, um etwaige Verbrennungen auszuschließen. Testen Sie am besten die Temperatur nachdem der Strahler bereits zehn Minuten lang eingeschaltet ist. Sie sollte etwa 35 Grad Celsius betragen. Diesen Test sollten Sie unbedingt durchführen, bevor Sie die Jungvögel unter den Strahler setzen! Alternativ kann auch eine Wärmflasche unter das Handtuch gelegt werden, was aber den Nachteil hat, dass die Flasche alle paar Stunden, also auch nachts, mit heißem Wasser aufgefüllt werden muss. Foto in diesem Absatz: Junges Blässhuhn, Herbert Rückert, Tierheim Mannheim

Stockente mit Stofftier Wasservögel sind Nestflüchter und sie sind naturgemäß keine Einzelkinder. Sie brauchen und suchen wie bereits weiter oben erwähnt die Geborgenheit und Nähe der Geschwister. Da sie einzeln aufgezogen leider sehr zutraulich und zahm werden und damit später nicht mehr auszuwildern sind, ist von einer Einzelaufzucht dringend abzuraten! In einem solchen Fall ist es besser, sich an eine Auffangstation zu wenden, die eventuell ebenfalls gerade junge Wasservögel zur Aufzucht beherbergt. Ihren Fundvogel dort hin zu bringen, ist die beste Lösung für das Tier. Ergibt sich trotz aller Bemühungen keine Möglichkeit, eine Einzelaufzucht zu vermeiden, so sind zum Beispiel Plüschtiere ein meist gern angenommener "Geschwisterersatz" zum Ankuscheln. Aber Achtung! Es kann auch zu Fehlprägungen kommen. Das Foto unter diesen Zeilen zeigt ein Teichhuhn, das in einer Pflegestation von selbst ständig die Nähe eines jungen Feldhasen suchte. Foto rechts: Stockente mit Stofftier, © Anke Dornbach, Foto unten © Susanne Wicht

Junges Teichhuhn mit Feldhase

Junges Teichhuhn mit Haushuhn Von einem einzeln aufgezogenen Blässhuhn wurde auch eine Art "Mutterersatz" sehr gerne angenommen, welcher aus einem Kistchen bestand, das vorn und unten offen war und innen mit dunklem, weichem Fellimitat ausgekleidet wurde. Das kleine Blässhuhn verkroch sich sehr häufig darunter und fühlte sich dabei offensichtlich sicher und wohl. Diese "Ersatzgeschwister" beziehungsweise "-mütter" werden während der gesamten Aufzuchtszeit immer wieder aufgesucht und sind besonders in Ruhephasen von großer Bedeutung für Ihr Vogelkind. In der nebenstehenden Abbildung ist ein junges Teichhuhn zu sehen, das mit einem Haushuhn-Küken vergesellschaftet wurde, damit es nicht allein aufwächst. Foto rechts: Junges Teichhuhn mit Haushuhn, © Annika und Harry

Gehege für Entenartige Die oben beschriebene Wanne als "Käfig" ist freilich nicht als Dauerunterkunft für heranwachsende junge Wasservögel zu verstehen. Unentbehrlich ist eine Auslaufmöglichkeit im Freien auf einer Wiese mit einer Möglichkeit zum Baden und Plantschen. Ein eingezäunter Gartenteich ist natürlich ideal. Englischer, kurz geschnittener Rasen bietet leider wenig Nahrung. Besser ist eine Wiese mit natürlichem Bewuchs, auf der das Wasservogelkind nach Belieben weiden kann. Foto rechts: Gehege für Entenartige, © Anke Dornbach

Lappentaucher auf einer Rampe Mit etwas Geschick kann man selbst ein Freigehege bauen, welches unbedingt oben geschlossen sein muss, damit neugierige junge Vögel nicht entkommen können. Auch für ausreichend Schatten und Regenschutz ist zu sorgen. Tagsüber setzt man die Pfleglinge in das Freigehege. Nachts sind die jungen Vögel jedoch wegen von Raubtieren wie Katzen ausgehenden Gefahren besser im Haus in der Wanne erheblich sicherer untergebracht. In dem Gehege im Garten darf tagsüber neben Futter und einer Trinkschale mit Wasser auch eine Badegelegenheit nicht fehlen. Junge Lappentaucher bewegen sich anfangs nur robbend vorwärts. Somit ist es für sie nicht möglich, in ein Wassergefäß mit höherem Rand zu gelangen. Hier hilft eine Art Rampe, welche aus keilförmig angeordneten Handtüchern bestehen kann (siehe Foto in diesem Abschnitt). Auch für das Verlassen der Badeschale sind entsprechende Hilfen notwendig, zum Beispiel ein großer, flacher Stein im Wasser, der nahe an den Rand des Badegefäßes gelegt wird. Foto rechts: Lappentaucher auf einer Rampe, © Anke Dornbach

Junge Ralle Junge Wasservögel werden in der Natur häufig von ihren Eltern gehudert, das heißt sie kriechen unter deren Gefieder und werden dadurch gewärmt und geschützt. Ein weiterer positiver Nebeneffekt des Huderns ist die Übertragung von Gefiederfett vom Elternvogel auf die Jungen. Mit Hilfe dieses Fettes sind Wasservögel in der Lage zu schwimmen, ohne dass ihr Gefieder dabei durchweicht. Ohne diese schützende Fettschicht auf den Federn ertrinken sie. Bis ein junger Wasservogel, der ohne Elterntiere aufwächst, von allein genügend Gefiederfett produziert, um schwimmen zu können, vergehen einige Wochen. Foto rechts: Junge Ralle, © Anke Dornbach

Junge Stockente in einer flachen Plastikwanne Leider begehen viele Leute, die es an sich gut mit den Tieren meinen, den fatalen Fehler, kleine Wasservögel in eine Badewanne mit tiefem Wasser zu setzen. Unbeaufsichtigt kann es so leicht passieren, dass die Tiere dabei ertrinken! Um die Gefiederfettbildung und deren gleichmäßige Verteilung am ganzen Körper zu fördern, stellt man den jungen Wasservögeln möglichst große, aber nicht zu tiefe Wasserbehälter in ihr Gehege. Auf diese Weise können sie nach Herzenslust plantschen und baden und sich anschließend sehr ausgiebig putzen. Beim Pflegen ihres Gefieders verteilen sie das Fett, das ihr eigener Körper bildet, mit der Zeit mehr und mehr im Federkleid. Das tägliche Baden ist deshalb lebenswichtig für alle Wasservögel. Foto rechts © Anke Dornbach, Foto unten: Teichhuhn in einer naturnah gestalteten Wanne mit Pflanzen, © Susanne Wicht

Teichhuhn in einer naturnah gestalteten Wanne

Ein weiterer Vorteil des Freigeheges ist die Möglichkeit, dass die Tiere dort lernen, Insekten zu fangen. Junge Stockenten rennen manchmal mit offenen Schnäbeln hinter Fliegen her und versuchen sie zu fangen oder picken am Boden krabbelnde Insekten und Spinnentiere auf. Diese natürlichen Verhaltensweisen sollten junge Wasservögel so früh wie möglich erlernen können.

Futter allgemein
Fressende Stockenten Ein wichtiger Bestandteil der Nahrung der meisten Wasservögel sind Grünpflanzen, welche sie den ganzen Tag über frisch abpflücken und fressen. Die an den Wurzeln haftenden Erdkrümel sind zudem für eine gesunde Verdauung unentbehrlich. Sehr gut eignen sich Teichlinsen, sie werden in einer separaten Wasserschale schwimmend angeboten. Sehr jungen Wasservögeln reicht man neben anderen Futtermitteln täglich frisches, klein geschnittenes Grünzeug. Hervorragend geeignet sind beispielsweise junge Brennnesselblätter. Foto rechts: Fressende Stockenten, © Anke Dornbach

Wasserläufer Genauso wichtig sind für die meisten Wasservogelarten Insekten wie zum Beispiel Wasserläufer, siehe Foto rechtsund kleine Krebstiere. Sehr beliebt und geeignet sind alle Arten von gefrosteten Insekten, also Heimchen, Pinkies (Fliegenmaden), Buffalos, Mehlwürmer und Wachsraupen. Buffalos und Mehlwürmer sollten zudem auch lebend gefüttert werden, um die jungen Wasservögel zur Aufnahme von Lebendfutter zu animieren. Wie man Futtertiere selbst züchten kann, können sie hier nachlesen. Foto rechts: Wasserläufer, © Gaby Schulemann-Maier

Limikolenfutter (eine spezielle Trockenfuttermischung, bestehend aus Bachflohkrebsen und anderen im Wasser lebenden Wirbellosen), Insektentrockenfutter und Garnelenschrot werden in einer flachen Schale auf die Wasseroberfläche gestreut und können auf diese Weise gut gefressen werden.

Gehackte, hart gekochte Eier sind ein wertvoller Eiweißlieferant und sollten auf dem Speiseplan junger Enten nicht fehlen.

Porträt einer jungen Stockente Auch Getreide, vor allem gekeimt oder auch gequetscht (Haferflocken), ist vor allem für Entenartige wichtig. Ein Rezept zur Herstellung von Keimfutter finden Sie hier.

Ein Futter aus dem Landhandel, welches sich Puten- und Gänsestarter nennt, enthält die meisten lebenswichtigen Nahrungsbestandteile und kann in kleinen Mengen in aufgeweichter Form zusätzlich verfüttert werden. Er sollte immer in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, ersetzt aber nicht die übrigen Futtermittel, wie beispielsweise Insekten oder frisches Grünzeug.

Nicht fehlen dürfen natürlich auch Vitamine und Mineralstoffe, welche am besten in Form von einer täglichen Prise Korvimin ZVT über das Futter gereicht werden. Foto rechts: Porträt einer jungen Stockente, © Anke Dornbach

Geschnittenes Grünzeug Rallen, Lappentauchern und Entenartigen reicht man das Futter in flachen Schalen, sowohl als Brei (Putenstarter, gehackte Eier, Getreide, Vitamine und Mineralstoffe) als auch in Wasser schwimmend (Insekten- und Limikolenfutter, Garnelenschrot, Teichlinsen, geschnittenes Grünzeug). Die gefrosteten und lebenden Insekten werden separat auf den Boden der Behausung gestreut, von wo sie am besten aufgepickt werden können. Besonders Entenküken haben die Angewohnheit, einen Schnabel voll Futter aufzunehmen und diesen erst noch einmal durch Wasser zu ziehen, bevor sie es fressen. Dafür sollte eine zusätzliche Schale mit sauberem Wasser in der Nähe der Futterschalen bereitgestellt werden. Foto rechts: Geschnittenes Grünzeug, © Anke Dornbach

Fütterungsanleitung für Enten
Junges Stockentchen In der ersten Lebenswoche fressen Enten fast ausschließlich Insekten in allen Variationen. Am ehesten werden diese auf Wasser schwimmend angenommen. Danach wird zunehmend auch pflanzliche Nahrung aufgenommen. Bieten Sie neben den Insekten auch in kleine Streifen geschnittenes Grünzeug an, dazu gekeimtes Getreide, Limikolenfutter, Garnelenschrot, Putenstarter, gehacktes Ei.

Animieren Sie junge Enten zum Fressen, indem Sie mit dem Finger auf die Schale mit dem Futter tippen und dabei auch verbal auf das Futter aufmerksam machen, denn auch in der Natur helfen die Altvögel ihren Jungen mit Gesten und Geräuschen beim Erlernen überlebenswichtiger Dinge. Foto rechts: Junges Stockentchen, © Anke Dornbach

Fütterungsanleitung für Schwäne
Schwanenküken In den ersten Tagen ihres Lebens können junge Höckerschwäne zum Teil noch von ihrem Dottervorrat zehren, der aus dem Ei stammt. Anfangs fressen sie nur Grünpflanzen, am besten ganz junge Triebe, danach können auch Limikolenfutter, Putenstarter und gequetschtes Getreide zugefüttert werden. Das Futter muss jedoch in jedem Fall in Wasser schwimmend angeboten werden. Foto rechts: Schwanenküken, © Björn Lichtmaneker

Fütterungsanleitung für Gänse
Kanadagänseküken Junge Gänse werden ähnlich wie Schwäne gefüttert, also mit vegetarischer Kost wie Grünpflanzen, Getreide, Limikolenfutter, Putenstarter und gehacktem Ei. für etwas ältere Gänsejunge ist eine Wiese zum Weiden unbedingt notwendig. Foto rechts: Kanadagänseküken, © Gaby Schulemann-Maier

 

Fütterungsanleitung für Teich- und Blässhühner
Teichhuhnküken Diese jungen Rallen werden in der Anfangszeit aktiv von ihren Eltern gefüttert. Gleichzeitig fangen sie jedoch auch schon an, selbst nach Futter zu suchen. Der Hauptbestandteil ihrer Nahrung sind Insekten und Krebstiere. Der Anteil an vegetarischer Kost (klein geschnittenes Grünzeug, Putenstarter) steigt mit zunehmendem Alter an, jedoch bleiben Wirbellose ihre Hauptnahrung. für Sie bedeutet dies, dass Sie in der Anfangszeit der kleinen Ralle Insekten und kleine Pflanzenteile mit der Pinzette vor den Schnabel halten müssen. Stellen Sie zusätzlich flache Schalen mit dem genannten Futter, in Wasser schwimmend, bereit. Wenn Sie sehen, dass der Vogel sich viel und häufig selbst davon bedient, reduzieren Sie die Handfütterung von Tag zu Tag mehr, bis sich Ihr Rallenkind schließlich allein ernähren kann. Foto rechts: Teichhuhnküken, © Gaby Schulemann-Maier

Fütterungsanleitung für Lappentaucher
Junger Zwergtaucher Haubentaucher ernähren sich hauptsächlich von kleinen Fischen, die sie mehr oder weniger geschickt erbeuten und im Ganzen verschlingen. Es ist unumgänglich, jungen Haubentauchern lebende, kleine Süßwasserfische (z. B. Blaubandbärblinge, Forellen, ...) im Wasser schwimmend anzubieten. Erhältlich sind diese u. a. bei Fischzüchtern (Adressen finden Sie in den Gelben Seiten).

Anfangs können auch zerkleinerte, tiefgefrorene Futterfische (Stinte) als Futter angeboten werden. Zwergtaucher fangen im Vergleich zu Haubentauchern weniger Fische, sondern auch andere schwimmende, kleine Lebenwesen, wie beispielsweise Larven, aus dem Wasser. Bei ihnen sollten ebenfalls stets auch zerkleinerte, gefrostete Futterfische mit auf dem Speisezettel stehen. Foto rechts: Junger Zwergtaucher, © Anke Dornbach

Schwimmende Futterinsekten Neben Fischen bilden Insekten (Heimchen, Pinkies (Fliegenmaden), Buffalos, Mehlwürmer) die Hauptnahrung der Lappentaucher. Auch Tubifex-Würmer können in einer Wasserschale angeboten werden (erhältlich im Angelladen). Heimchen sollten nicht nur in gefrosteter Form, sondern auch lebend angeboten werden, damit die Vögel das natürliche Beutefangen lernen können. Foto rechts: Schwimmende Futterinsekten, © Anke Dornbach

Wichtige Anmerkung zur Aufzucht
Nestflüchter aufzuziehen, erfordert nicht nur viel Wissen über die Bedürfnisse der Vögel hinsichtlich ihrer Ernährung. Es ist zudem von größter Wichtigkeit, Wasservögel niemals einzeln aufzuziehen. Diese Vögel müssen unbedingt gemeinsam mit Artgenossen aufwachsen, weil sie sonst später kaum überlebensfähig sind, wenn sie in die freie Natur entlassen wurden. Insbesondere Schwäne kann man einzeln nicht aufziehen. Man sollte sich nicht daran versuchen, einen einzelnen Schwan oder Wasservogel großzuziehen, es ist besser für die Tiere, sie in fachkundige Hände zu geben. Experten für die Aufzucht von Wasservögeln haben meist mehrere Tiere in ihrer Obhut, sodass die Vögel in einem naturnahen Sozialverband heranwachsen. Die Vögel lernen voneinander wichtige Verhaltensweisen, die ihnen in der Natur nach der Auswilderung helfen, Gefahren zu überstehen und zu überleben. Deshalb sollten Wasservögel auch idealerweise in Gruppen ausgewildert werden, weil sie dann normalerweise zunächst zusammen bleiben und einander vor Angreifern wie Füchsen oder Hunden warnen können.

Auswilderung
Auswilderungsreife Stockente Handaufgezogene Wasservögel sollten erst dann freigelassen oder ausgewildert werden, wenn sie in der Lage dazu sind, zu fliegen. Das setzt voraus, dass die Schwungfedern voll ausgebildet sind. Im Alter von ungefähr acht Wochen ist dies in der Regel aller Fall. Erst nach 135 Tagen hat ein junger Höckerschwan sein vollständiges Gefieder und kann damit halbwegs fliegen.

Bei Stockenten erkennt man die fertigen Schwungfedern an ihrer blau-weißen Farbe, wie auf der nebenstehenden Abbildung zu sehen ist. Foto rechts: Auswilderungsreife Stockente, © Anke Dornbach

Auswilderungsreifes Blässhuhn Teich- und Blässhühner verändern im Laufe der Zeit ebenfalls ihr Erscheinungsbild. Ihnen wächst ein grauschwarzes Gefieder, Blässhühner erhalten ihre weiße Blesse an der Stirn, der sie ihren Namen verdanken (siehe Abbildung rechts).

Bei der Auswilderung macht es sich bezahlt, dass Sie bisher versucht haben, Ihren Wasservogel möglichst nicht an den Menschen zu binden. Ganz vermeiden lässt sich ein gewisser Grad an Zahmheit leider nicht. Von großem Vorteil ist es nun, wenn Sie mehrere Vögel gleichzeitig auswildern, die zusammen aufgewachsen sind. Das erleichtert ihnen das Loslösen von den Zieheltern und gibt ihnen ein höheres Maß an Sicherheit. Wie bereits weiter oben erwähnt, sollten Wasservögel nicht einzeln ausgewildert werden, sonder nach Möglichkeit immer in Gruppen mit Artgenossen, weil dies ihre Überlebenschancen maßgeblich erhöht. Foto rechts: Auswilderungsreifes Blässhuhn, © Anke Dornbach

Junge Stockenten bei der Auswilderung Ideal ist es, wenn Ihre aufgezogenen Wasservögel an einem privaten Gewässer freigelassen werden, denn Jäger, Hunde und Füchse sind nun ihre Hauptfeinde. Artgenossen sollen natürlich auch dort vorhanden sein. Sollten Sie die Möglichkeit haben, dann stellen Sie das Freigehege für ein paar Tage am Ufer des Gewässers auf und lassen Sie ihren Wasservögeln (natürlich unter Aufsicht) Zeit, sich die neue Umgebung einzuprägen. Sind bereits andere Wildenten anwesend, werden sich ihre Zöglinge diesen sehr bald anschließen und sie können sie beruhigt in die ersehnte Freiheit entlassen. Foto rechts: Junge Stockenten bei der Auswilderung, © Anke Dornbach

Eine weitere Möglichkeit, besonders bei sehr ängstlichen Einzelvögeln, für die sich aufgrund widriger Umstände keine Möglichkeit der Aufzucht in einer Gruppe von Artgenossen gefunden hat, sind Vogelschutzgebiete mit Gewässern. Machen Sie ruhig mehrere Ausflüge mit Ihrem Vogel dort hin und lassen sie ihn langsam die Umgebung erkunden. Anfangs noch sehr scheu, werden bald der Mut und die Neugier siegen und er fängt an, seine neue Heimat zu erforschen. Bleiben Sie dabei ganz ruhig an einer Stelle sitzen und nehmen Sie auch Futter mit. Sie können mehrere solche Ausflüge mit dem Vogel unternehmen, bis Sie das Gefühl haben, er kommt alleine zurecht. Lassen Sie noch Futter stehen und entfernen Sie sich dann möglichst unauffällig. Sicherheitshalber können Sie in den darauf folgenden Tagen noch Futter bereitstellen. für Vogelschutzgebiete/Naturschutzgebiete gibt es außerdem Ansprechpartner bei den zuständigen Städten und Gemeinden. Oftmals findet sich hier Hilfe bei dem Naturschutzbeauftragten. Er hilft oft auch nach der Auswilderung, indem er ein wachsames Auge auf ihren Schützling hat.

Behutsame Auswilderung
Foto © Anke Dornbach

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