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Wie füttert man junge Wildvögel?

Fütterung eines jungen Haussperlings Als "Werkzeug" benötigen Sie, je nachdem, wen und wie Sie füttern, mehrere kleine Pipetten zum Eingeben von Wasser und flüssiger Nahrung. Geeignet sind ferner kleine Einwegspritzen (natürlich ohne Nadel), die man bei Ärzten und in Apotheken erhält. Zum Verfüttern von Futtertieren oder Breikügelchen verwendet man eine stumpfe Pinzette, die am vorderen Ende abgerundet ist, um Verletzungen im Rachen zu vermeiden. Foto rechts: Fütterung eines jungen Haussperlings, © Anke Dornbach

Wer Angst hat, Jungvögel mit einer Pinzette zu verletzen, für den könnte das in der folgenden Bastelanleitung vom Tierfreund Uwe Borowski vorgestellte, selbst gebaute Fütterungsinstrument hilfreich sein: PDF-Datei.

Junger Haussperling mit Futterspritze Handaufzuchtbrei und sonstigen weichen Brei zieht man mit einer Einwegspritze auf und füttert damit direkt in den Schnabel. Ist der Brei fein genug, um die Spritze nicht zu verstopfen, sind sogenannte Knopfkanülen (beim Tierarzt erhältlich) eine wertvolle Hilfe. Alles Werkzeug ist nach jedem Gebrauch sorgfältig mit sehr heißem Wasser zu reinigen. Deshalb ist es praktisch, gleich mehrere Pipetten, Futterspritzen und Pinzetten auf Lager zu haben. Foto © Volker Lannert

Achtung: Wird ein Vogel wie in der obigen Abbildung mit Hilfe einer Futterspritze oder anderweitig mit Brei gefüttert, so sollten Futterreste sofort aus dem Gefieder gewischt werden, damit diese es nicht verkleben!

Sperrende AmselnVor der Fütterung sollten die Hände gründlich gewaschen werden, denn an ihnen haftende Bakterien könnten den Jungvögeln schaden. Bevor Sie sich ans Füttern machen, bereiten Sie aus dem Futterbrei mehrere erbsengroße Kügelchen vor. Futtertiere werden einzeln zurechtgelegt. Füllen Sie eine Pipette mit Wasser auf und legen Sie diese ebenfalls bereit.

Im Idealfall sperrt der hungrige Jungvogel den Schnabel von selbst weit auf und Sie müssen nur das Futter mit einer stumpfen Pinzette hinein befördern. Bei Amseln und Drosseln ist das erfreulicherweise meistens der Fall, siehe Abbildung rechts. Foto © Dagmar Offermann

Fütterung einer jungen SingdrosselHierbei sollten Sie lediglich darauf achten, das Futter ausreichend tief in den Rachen und nicht unter die Zunge zu stecken. Denn sonst kann es der Vogel nicht abschlucken und er erstickt schlimmstenfalls. Foto: Fütterung einer jungen Singdrossel, © Dr. Dorgrit Diepholz

Bei Nestlingen hilft es oft, ein wenig am Nest zu wackeln, dann recken sie meist die Köpfe automatisch in die Höhe und betteln. Man simuliert mit dem Rütteln die natürlichen Reize, die dadurch ausgelöst werden, dass ein Elternteil mit Futter auf dem Nestrand landet und dieses dadurch leicht durchschüttelt.

Futter im Kropf In der Abbildung in diesem Absatz ist ein Jungvogel zu sehen, der seinen Kopf empor reckt und dadurch den Hals streckt. Der Pfeil zeigt auf den Kropfbereich des Vogels, in dem deutlich Nahrung zu erkennen ist. Foto rechts © Isabella Tebeau

Viele Vögel machen aber aus Angst oder Schwäche keine Anstalten, den Schnabel von allein zu öffnen. In diesem Fall müssen Sie den Vogel vorsichtig zwangsernähren, was für Ungeübte nicht unbedingt einfach ist. Eventuell sollten Sie sich eine zweite Person dazu holen, die Ihnen bei der Fütterung assistiert. Ein Pfleger öffnet den Schnabel und hält ihn auf, der andere steckt das Futter in den Schlund des Vogels. Mit etwas Geschick und Übung gelingt Ihnen dies jedoch bald allein.

Zum Öffnen des Schnabels halten Sie den Vogel locker mit einer Hand fest und schieben den Daumennagel der anderen Hand seitlich zwischen Ober- und Unterschnabel. Mit dem Zeigefinger der "Fixierhand" drücken Sie dann sanft die beiden Schnabelhälften auseinander und halten den Schnabel auf. Nun kann mit Hilfe einer stumpfen Pinzette oder einer Futterspritze die Nahrung eingegeben werden. Auch hierbei ist es wichtig, das Futter möglichst tief in den Rachen zu stecken, notfalls kann mit der Pinzette etwas nachgeschoben werden (nicht mit den Fingern). Ein anschließend verabreichter, kleiner Tropfen Wasser löst den Schluckreflex aus. Achtung: Der Vogel sollte beim Trinken niemals auf dem Rücken liegen, da dabei die Gefahr des Verschluckens und Erstickens besteht!

Wichtiger Hinweis: Wer zu feuchten Händen neigt oder wer für die Fütterung länger braucht, sollte den Vogel mit einem dünnen Tuch - zum Beispiel mit einem Taschentuch - anfassen, um sein Gefieder nicht zu beschädigen. Besonders Zugvögel sind auf ein völlig intaktes Gefieder angewiesen. Da man beispielsweise Mauersegler während jeder Fütterung mit der Hand fixieren muss, sollten diese Vögel grundsätzlich nicht mit bloßen Händen angefasst werden.

Die folgenden Bilder (alle © Anke Dornbach) verdeutlichen den Fütterungsvorgang. Dass die gezeigte Mehlschwalbe dabei nicht besonders glücklich dreinschaut, ist kein Wunder. Doch wie die meisten Jungvögel hat sie bereits nach kurzer Zeit begriffen, worum es bei der Prozedur ging. Schon am nächsten Tag öffnete sie bereitwillig von allein den Schnabel.

Lockerer Fixiergriff
Mit vier Fingern wird der Vogel locker fixiert. Achten Sie darauf, dass das Tier frei atmen kann!

Wie man den Schnabel öffnet
Den Daumennagel der anderen Hand schiebt man seitlich zwischen Ober- und Unterschnabel.

Den geöffneten Schnabel fixieren
Mit dem Zeigefinger hält man den Schnabel auf.

Fütterungswerkzeug
Mit der anderen, freien Hand kann man nun mit einer Pinzette Futter in den Schnabel befördern ...

Das Futter ist drin
... und tief in den Hals stecken.

Fütterung von Spechten:
Spechte haben eine eigene Art, sich füttern zu lassen. Mit der einen Hand hält man den Vogel festund mit der anderen Hand hält man ihm auf einem Esslöffel das Futter vor den Schnabel, das er dann in Spechtmanier rasch davon abpickt.

Fütterung von Tauben:
Taubenfütterung Auch Tauben sperren nichtund müssen daher immer zwangsernährt werden. Der Schnabel junger Tauben ist sehr weich und deshalb anfällig für Verletzungen. Daran sollte man unbedingt denken, wenn man eine junge Taube füttern muss! Foto rechts © Dagmar Offermann

An der relativ harten Schnabelspitze setzt man mit dem Fingernagel an und schiebt dort vorsichtig den Daumennagel zwischen Ober- und Unterschnabel, hält den Schnabel mit der linken Hand (als Rechtshänder) weit auf und nimmt mit Daumen, Zeige- und Ringfinger der rechten Hand Körner auf, die man dann von oben in den offenen Schnabel hinein rinnen lässt. Das klingt alles furchtbar kompliziert, ist es aber mit etwas Übung und Geschick gar nicht.

Noch ausführlicher ist die Fütterungstechnik für Tauben im gleichnamigen Kapitel beschrieben.

Fütterung von Mauerseglern:
Mauersegler sperren und betteln in aller Regel nicht, nur in seltenen Fällen kommt dies vor. Sie müssen bis zum Ende der Handaufzucht Heimchen für Heimchen zwangsernährt werden. Wie das funktioniert, ist auf dieser Website sehr gut und detailliert beschrieben. Auch hier gibt es eine Anleitung. Außerdem finden Sie in unseren Kapiteln über Mauersegler weitere Informationen über die Aufzucht dieser Vögel.

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