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Erkrankungen der Beine und Füße

Grünfink Fridolins Fuß fehlgewachsenAn den Beinen und Füßen eines Vogels kann es zu einer Reihe unterschiedlicher Erkrankungen kommen. Abhängig davon, um welche Art von Erkrankung es sich handelt, müssen entsprechende Therapieschritte eingeleitet werden. Häufig ist es erforderlich, dass ein Röntgenbild angefertigt wird. In manchen Fällen sind zudem Operationen vonnöten, um den betroffenen Vögeln das Leben zu retten. In diesem Kapitel werden typische Erkrankungen der Beine vorgestellt. Foto rechts: Grünfink mit fehlgewachsenem Fuß, © Dagmar Offermann

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Beinbrüche und offene Frakturen
Alter offener Beinbruch bei einer KanadagansKnochenbrüche an den Beinen sind immer ein Fall für einen Tierarztbesuch. Der Arzt muss genau überprüfen, wie der Bruch verläuft und gegebenenfalls ein Röntgenbild anfertigen, um die volle Tragweite der Verletzung festzustellen. Je nachdem, wie ein Beinbruch im Einzelfall aussieht, können die Knochen entweder für einige Zeit fixiert werden (konservative Methode) oder sie werden im Rahmen einer Operation wieder zusammengefügt und anschließend für einige Zeit durch eine Bandage in der anatomisch korrekten Position gehalten. Auf keinen Fall sollte ein medizinischer Laie in Eigenregie das Bein eines Vogels schienen. Denn wenn ein Knochen nicht in der korrekten Lage zusammenwächst, bleibt der betroffene Vogel zeitlebens schwer gehbehindert und damit in der Wildnis kaum mehr überlebensfähig!

Weil verletzte Vogelknochen schnell heilen, können unbehandelte und ungerichtete Brüche innerhalb weniger Tage schief verwachsen. Es ist deshalb erforderlich, einen Vogel, der einen Knochenbruch erlitten hat, so schnell wie möglich einem Tierarzt vorzustellen.

Besonders wichtig ist das rasche Aufsuchen eines erfahrenen Tierarztes, wenn ein offener Bruch vorliegt. Ein Bruch wird dann als offen bezeichnet, wenn ein Teil des verletzten Knochens die Haut durchstoßen hat und durch eine offene Wunde zu sehen ist. Werden offene Brüche nicht behandelt, verheilen sie normalerweise nicht ordnungsgemäß und durch die Wunde können Krankheitserreger in den Körper des Vogels eintreten. Das Foto rechts zeigt eine alte offene Fraktur (Bruch) am Bein einer Kanadagans, eine solche ältere Verletzung ist in aller Regel nur schwer zu behandeln. Deutlich ist der Knochen durch die Hautwunde zu erkennen. Teile der Haut sind abgerissen, auch das darunterliegende Gewebe ist durch die Verletzung stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Problematisch sind offene Frakturen oft deshalb, weil die erkrankten Vögel häufig erst spät in die Obhut des Menschen gelangen. Viel Behandlungsspielraum ist bei einem alten offenen Bruch leider nicht mehr, häufig bleibt nur die Amputation des Beines als Lösung, allerdings ist dies nicht bei allen Vögeln möglich. Manche Tiere können nicht auf nur einem verbleibenden Bein stehen, darunter beispielsweise Ringeltauben. Schwere Wasservögel wie Gänse sind ebenfalls nicht dazu in der Lage, permanent einbeinig zu stehen und zu schwimmen. Kleinere Vögel, die leicht sind, können nach einer Amputation meist recht gut einbeinig stehen; dies gilt auch für kleine Wasservögel bis zur Größe einer Stockente. In freier Natur kommen die meisten beinamputierten Vögel jedoch nur schwer zurecht, weshalb dieser Schritt gut überlegt werden sollte.

Frische offene Brüche können von fachkundigen Tierärzten oft erfolgreich behandelt werden. Bei einer optimalen Versorgung der frischen Wunde und einer perfekten Richtung des Bruches können die Vögel mit ein wenig Glück nahezu die volle Beweglichkeit ihres Beines wiedererlangen.

Mit Verband fixierter Beinbruch bei einer jungen Ente Konservative Methode: Brüche der Beinknochen müssen bei der konservativen Methode, also bei einer Behandlung ohne Operation, für etwa zwei Wochen mit einer festen Bandage zusammengehalten werden. Diese muss so angelegt sein, dass sich die Bruchkanten des verletzten Knochens in der anatomisch korrekten Position befinden und gerade in der Anfangsphase nicht gegeneinander verrutschen können. Um eine ausreichende Blutzirkulation zu gewährleisten und Veränderungen des Beinumfangs durch Schwellungen zu berücksichtigen, sind Klebeverbände aus mehreren Lagen übereinander geklebtem, dickem Leukoplast besser geeignet als Schienen aus harten Materialien. Die Klebestreifenränder sollten sich an der Vorder- und der Hinterseite des Beines befinden und fest miteinander verklebt werden. Es ist nicht ratsam, selbstklebende Materialien direkt mit der Haut eines Vogels in Berührung kommen zu lassen, weil sich der Klebstoff nur schwer entfernen lässt. Beim Abnehmen einer Bandage kann es dadurch im schlimmsten Fall zu Rissen in der Haut kommen! Auch die Federn sollten nicht mit dem Klebstoff in Berührung kommen.

Achtung: In manchen Fällen werden Beinbrüche nicht gleich erkannt, weil die Vögel eine sehr spezielle Körperhaltung einnehmen. Da sie auf dem gebrochenen Bein keinen Halt mehr finden, spreizen sie einen Flügel ab und stützen sich auf diesen. Laien glauben in einem solchen Fall häufig, dass das betroffene Tier einen gebrochenen Flügel hat. Das Foto unten zeigt einen solchen Fall. Bei genauem Betrachten fällt auf, dass das linke Bein des Habichts seitlich absteht, der Vogel kann sich nicht mehr auf das gebrochene Bein stellen (der Ständer ist gebrochen). Deshalb spreizt er den linken Flügel ab und nutzt ihn als Stütze und zum Halten des Gleichgewichts im einbeinigen Stand.

Habicht mit Ständerbruch und abgespreiztem Flügel
Habicht mit Ständerbruch und abgespreiztem Flügel

Bein- und Fußlähmungen
Blaumeise mit StänderlähmungBei Wildvögeln können aus unterschiedlichen Gründen Lähmungen in den Füßen und Beinen (Ständerlähmungen) auftreten. Diese schweren Bewegungseinschränkungen können beispielsweise durch einen Nährstoffmangel während der Wachstumsphase hervorgerufen werden. Auch Verletzungen der Beine oder der Wirbelsäule sowie Schwellungen im Bereich des Rückens, die auf die Nerven im Rückgrat drücken, können Lähmungen der Beine zur Folge haben. Darüber hinaus können Muskeln in den Beinen verletzt sein oder Infektionen zu den Lähmungen führen. Infolge heftiger Kollisionsunfälle mit Kopfverletzungen können ebenfalls Beinlähmungen in Erscheinung treten. Es ist wichtig, die Ursache für Beinlähmungen genau zu klären, damit eine Behandlung eingeleitet werden kann. In manchen Fällen lässt sich einer Lähmung entgegenwirken und das erkrankte Tier kommt wieder auf die Beine. Foto oben rechts: Blaumeise mit Ständerlähmung

Junge Amsel mit Nervenschaden im FußJe nach Ursache für die Beinlähmung können Therapieschritte eingeleitet werden. Liegt zum Beispiel ein Nährstoffmangel vor, hilft die Verabreichung der bis dahin zu wenig vorhandenen Nährstoffe oft, um die Lähmung zu lindern oder gar zum Verschwinden zu bringen. Nach Kopf- und Rückenverletzungen können sich die Nerven häufig durch die Verabreichung abschwellender Medikamente in Kombination mit Vitaminpräparaten (Vitamin-B-Komplex) wieder erholen. Gegen infektionsbedingte Lähmungen können in vielen Fällen zielgerichtete Behandlungen beispielsweise mit Antibiotika helfenund liegen Verletzungen der Knochen oder Muskeln vor, lässt sich mitunter chirurgisch der Schaden lindern. Zudem kann es in einigen Fällen ratsam sein, den betroffenen Fuß vom Tierarzt in der anatomisch korrekten Position bandagieren zu lassen, siehe Abbildung der jungen Amsel in diesem Abschnitt. Da die Bandagierung aber nicht in jedem Fall angezeigt ist, muss ein erfahrener Tierarzt im Einzelfall darüber entscheiden, ob diese Therapiemaßnahme ergriffen werden sollte oder nicht.

Junge Amsel vor und nach der Behandlung einer Beinlähmung
Junge Amsel vor und nach der Behandlung einer Beinlähmung

Abgeschnürte Zehen und Füße, eingewachsene Ringe
Schnürt ein Gegenstand das Bein eines Vogels ab, kann dies zu schweren Verletzungen und zum Verlust des Körperteils führen. Anfangs sitzen die Schnüre meist noch locker, doch indem sich die Vögel zu befreien versuchen, ziehen sich die Schlingen immer fester zu. Zunächst graben sich die Schnüre immer tiefer ins Fleisch und schneiden dieses auf. Geraten Bakterien in die Wunde, was in freier Natur oft geschieht, entstehen lokale Entzündungen. Diese sind teils eitrig und sie gehen mit starken Schwellungen sowie Schmerzen einher. Betroffene Vögel humpeln stark. Des Weiteren wird die Blutversorgung der Zehen durch eine solche Abschnürung unterbrochen, sodass sie letztendlich absterben. Tierärzte sprechen in Zusammenhang mit abgestorbenen Partien von nekrotischem Gewebe. Es ist daran zu erkennen, dass es dunkel verfärbt ist. In manchen Fällen löst ein solches Absterben einzelner Zehen oder eines Fußes eine Blutvergiftung aus, die tödlich für den betroffenen Vogel verläuft.

Abgeschnürtes Bein bei einer Stadttaube
Einschnürung mit schwerer Entzündung und Schwellung, Foto © Gaby Schulemann-Maier

Eingeschnürtes Bein einer Taube
Einschnürung am Fuß einer Taube, Foto © Paasmühle

Stadttaube mit zerstörtem FußManche Vogelarten sind von diesem Problem überdurchschnittlich häufig betroffen, weil sie aufgrund ihrer Lebensweise mit Gegenständen in Berührung kommen, die Abschnürungen hervorrufen können. Sehr oft tritt das Problem bei Stadttauben auf. Um Beine oder Zehen dieser Vögel wickeln sich Kunststoffstreifen, Fäden oder anderweitiger vom Menschen achtlos auf die Straße geworfener Müll. Auch andere während der Nahrungssuche oft auf dem Boden umher laufende Tauben können betroffen sein, darunter verwilderte Rasse- und Brieftauben oder Ringeltauben. Mitunter wickeln sich auf dem Boden liegende Fäden so fest um die Füße der Vögel, dass in besonders schlimmen Fällen beide Beine fest miteinander verschnürt sind. Die betroffenen Vögel können nicht mehr laufen und sind schwer gehandicapt. Außerdem sieht man häufig Tauben, die durch Einschnürungen einzelne Zehen oder einen kompletten Fuß verloren haben, siehe Abbildung rechts. Foto © Gaby Schulemann-Maier

Abgeschnürtes Bein bei einer NilgansAn Seen und Flüssen erleiden viele Wasservögel ein ähnliches Schicksal, denn im Wasser schwimmt oft nicht nur Müll, sondern auch Angelschnüre sind dort zu finden. Wickeln sich diese um die Beine oder Füße der Vögel, kommt es ebenso zu Abschnürungen. Die beiden Fotos unter diesen Zeilen zeigen eine Kanadagans, um deren Beine sich eine Angelschnur gewickelt hatte. Foto oben rechts: Entzündete Abschnürung am Bein einer Nilgans, verursacht durch eine in der Natur liegende Angelschnur; Foto unten: Kanadagans mit Einschnürungen, ebenfalls verursacht durch eine Angelschnur

Kanadagans mit Angelschnur an den Beinen

Problematisch ist bei den Einschnürungen, dass sie teils tiefe Wunden verursachen und deshalb ein längerfristiges Eingreifen vonnöten ist, um dem betroffenen Vogel wirklich zu helfen. Es reicht in aller Regel nicht, das einschnürende Material einfach nur zu entfernen und den Vogel dann seinem Schicksal zu überlassen. Die Wunden müssen unbedingt von einer fachkundigen Person gepflegt werden, ein auf die Behandlung von Vögeln spezialisierter Tierarzt sollte zu Rate gezogen werden. Nach dem Entfernen der Schnüre und dem Reinigen der Wunden können sich Blutkrusten bilden, die sehr hart werden. Sie haben die negative Eigenschaft, in vielen Fällen ihrerseits die Blutzufuhr in die darunter liegenden Körperteile einzuschränken. Aus dem Grund ist es wichtig, dass ein erfahrener Pfleger die Zeit der Genesung des Vogels überwacht und auf Alarmsignale achtet. Das Foto unter diesen Zeilen zeigt dieselbe Kanadagans wie die Abbildung oben. Zu sehen ist, dass die Einschnürung zu einer schweren Entzündung geführt hat, insbesondere am linken Bein der Gans (rechts im Bild).

Verletzungen nach Abschnürungen an den Beinen einer Kanadagans

Eingeschnürtes Bein eines HaussperlingsNeben Altvögeln können auch Jungtiere von dem Problem betroffen sein. Viele Vogelarten nutzen nicht nur natürliche Materialien zum Nestbau, sondern vermehrt auch Unrat, der in der Natur liegt. So werden zum Beispiel Fetzen von Plastiktüten oder Wollreste in die Nester eingebaut, was für die Jungvögel gravierende Folgen haben kann. Denn in manchen Fällen wickelt sich faseriges Nistmaterial um die Beine und Füße junger Wildvögel. Dadurch, dass sie sich im Nest bewegen und durch Strampeln die störenden Fetzen an ihren Beinen loswerden wollen, ziehen sich die Schlingen immer fester zu. Das Wachstum der Nestlinge trägt ebenfalls dazu bei, dass die Einschnürungen zusehends enger werden. Die Folge sind schwere Verletzungen, die in einigen besonders tragischen Fällen sogar zum Abtrennen der Beine führen können. Foto in diesem Absatz © Kathrin Springer

UnteUnter diesen Zeilen sind einige Fotos zu sehen, die Abschnürungen an den Füßen von Waldkauznestlingen zeigen. Die Abschnürung war so gravierend, dass ein Zeh teilweise abgestorben ist.

Fäden und Nistmaterial haben das Bein eines jungen Waldkauzes abgeschnürt
Fäden und Nistmaterial haben das Bein eines jungen Waldkauzes abgeschnürt.

Starke Schwellung durch eine Einschnürung
Durch eine Abschnürung ist am Fuß eines jungen Waldkauzes eine riesige
Schwellung entstanden, ein Zeh ist teilweise abgestorben und die Kralle steht schief.

Einschnürungen am Bein eines jungen Waldkauzes
Nach dem Entfernen der Fäden ist das Bein des jungen Waldkauzes ein
wenig abgeschwollen, die Einschnürungen sind aber noch immer deutlich zu erkennen.

Das Foto unter diesen Zeilen zeigt das verletzte Bein einer jungen Rabenkrähe. Sie gelangte als Nestling in die Obhut österreichischer Tierschützer. Um das Bein des jungen Vogels hatte sich ein Faden gewickelt, der zu einer schweren Abschnürung geführt hat, durch die der Fuß angeschwollen war. Auch war die Haut am Bein an mehreren Stellen verletzt und blutig. Das Schrecklichste an diesem Fall jedoch war, dass an dem Faden zwei abgetrennte Krähenbeine - wohl von Geschwistern des unglückseligen Jungvogels - hingen. Foto unten © Verein für kleine Wildtiere in grosser Not

Verletztung durch Abschnürung

Ein weiteres Risiko stellen eingewachsene Fußringe dar. Hiervon sind meist verwilderte Brieftauben betroffen, denn sie sind häufig beringt. Verletzen sich die Vögel am beringten Bein, kann dieses anschwellen und der Ring führt zu einer Abschnürung oder er wird vom Narbengewebe eingeschlossen. Eingewachsene Ringe müssen von einem erfahrenen Tierarzt operativ entfernt werden. Die betroffenen Vögel brauchen nach der Operation einige Tage intensive Pflege, damit sie nicht an einer Infektion erkranken.

Gelenkentzündungen
Salmonellen-Infektion in den Gelenken bei einem GraureiherDie meisten Gelenkentzündungen entstehen durch Krankheitserreger, die über Verletzungen in die Blutbahn des Vogels gelangen. Es können verschiedene Erreger zu den Beschwerden führen, deshalb sollte durch einen Tierarzt abgeklärt werden, welche Keime im Einzelfall zu einer Entzündung der Gelenke führen. Ein Beispiel für bei Vögeln zu Gelenkentzündungen führende Erreger sind Salmonellen, sie können die Gelenke sehr schwer angreifen. Betroffene Tiere schonen die Gliedmaßen, indem sie entweder nicht mehr fliegen, wenn Gelenke an den Flügeln entzündet sind, oder indem sie nicht mehr laufen und klettern, wenn Beingelenke geschädigt sind. Krankheitserreger können über kleinste Verletzungen in den Körper gelangen, diese Wunden müssen sich nicht in der Nähe der später entzündeten Gelenke befinden!

Zu eZu erkennen sind entzündete Gelenke meist daran, dass sie verdickt, gerötet und warm sind. Bakterielle Gelenkentzündungen werden häufig mit Antibiotika behandelt. Liegt eine Infektion mit Salmonellen vor, ist dies unbedingt erforderlich. In vielen Fällen müssen die Medikamente per Spritze vom Tierarzt verabreicht werden. Zusätzlich zu den Antibiotika hat sich die Gabe von den homöopathischen Präparaten Arnica D6 und Salmonella bewährt. Zusätzlich können Traumeel-Tropfen ins Trinkwasser gegeben werden und die Gliedmaßen mit Traumeel-Salbe eingerieben werden. In einigen Fällen werden Wildvögel, die an Gelenkentzündungen leiden, erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung aufgegriffen. Sind die Knochen und Knorpel zu stark geschädigt, ist eine Heilung in der Regel nicht mehr möglich und ein Leben in Freiheit ein schnelles Todesurteil. Das Foto oben rechts zeigt die stark geschwollenen Gelenke eines Graureihers, der vermutlich an einer Infektion mit Salmonellen litt. Das Tier wurde eingeschläfert, weil der Gelenkverfall zu weit fortgeschritten war.

Rachitis (Knochenweiche)
Amsel mit RachitisDiese Erkrankung wird in der Wachstumsphase durch einen Mangel an Kalzium und anderen Mineralstoffen und/oder durch eine Unterversorgung mit den Vitaminen D3 und B verursacht. Finden Altvögel in der Natur - aus welchen Gründen auch immer - nicht die richtige Nahrung in den nötigen Mengen, kann es bei ihrem Nachwuchs zu Problemen mit der Nährstoffversorgung und damit zu rachitischen Veränderungen der Knochen kommen. In menschlicher Obhut großgezogene Vögel erleiden dieses gesundheitliche Problem oft dann, wenn sie falsch ernährt werden, also wenn beispielsweise Jungvögel ausschließlich mit Körnern versorgt werden, obwohl tierische Kost nötig wäre. Foto rechts: Amsel mit Rachitis © Sylvia Schneider

Junge Elster, bei der von Kalziummangel ausgegangen wirdAuch falsche Unterlagen, die zu hart oder zu glatt sind, sowie eine zu frühe starke Belastung der Beine können zu einer Rachitis führen. Typische Symptome einer Rachitis sind geschwollene Beingelenke sowie verdrehte Füße, die häufig nach innen weisen und mit denen die betroffenen Vögel Zweige und Sitzstangen nicht richtig umgreifen können. Der Schnabel und die Krallen werden in der Folge ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, sie werden weich und rissig. Im fortgeschrittenen Stadium verändert sich das gesamte Knochensystem und sogar die Wirbelsäule kann von der Rachitis betroffen sein. Bitte lesen Sie sich hierzu unseren Text über Krankheiten durch, die aufgrund von Mangelernährung en entstehen. Foto: Junge Elster, bei der von Kalziummangel ausgegangen wird

Fortgeschrittene Rachitis bei einem jungen Turmfalken

Achtung, Verwechslungsgefahr!
Nicht immer leidet ein Vogel mit verdrehten Beinen an einer Rachitis. Es gibt einige Fälle, in denen ein betroffenes Tier eine sogenannte Grünholzfraktur, auch Grünspanfraktur genannt, erlitten hat. Hierbei handelt es sich um einen unvollständigen Bruch, wie er bei jungem, grünem Holz zu beobachten ist. Obwohl die umliegende Knochenhaut erhalten und intakt ist, so ist bei einem Grünholzbruch das innere des Knochens beschädigt. Beim Menschen treten diese Knochenbrüche bei Kindern und Jugendlichen auf, die sich noch im Wachstum befinden und deren Knochen noch nicht vollständig ausgehärtet sind. Bei Vögeln ist es ähnlich, von Grünholzfrakturen sind in aller Regel Jungtiere betroffen. Häufig werden solche Frakturen bei Vögeln jedoch nicht diagnostiziert, weil die Knochen beim Abtasten unverletzt erscheinen. Liegt eine solche Verletzung eines Knochens vor, kann der erkrankte Vogel das betroffene Bein nicht richtig belasten und es gerät in eine Fehlstellung, die derjenigen bei einer Rachitis ähnlich sieht. Es ist deshalb wichtig, ein Röntgenbild anzufertigen, um bei Vogel mit Verdacht auf Rachitis eine Grünholzfraktur auszuschließen.

Hüftluxation (ausgekugelte Hüfte)
Ausgekugelte HüfteInfolge von Unfällen oder durch die Ausübung starken Drucks auf das Gelenk während der Wachstumsphase kann es bei Vögeln zu einer sogenannten Hüftluxation kommen. Hierbei kugelt das Gelenk aus, weshalb das betroffene Bein mehr oder minder stark seitlich absteht, siehe Foto rechts, © Markus und Tamara. Ausgekugelte (luxierte) Hüftgelenke können bei Altvögeln meist nicht wieder gerichtet werden, die Tiere bleiben zeitlebens gehandicapt. Bei Jungtieren besteht eine Chance auf eine Verringerung der Fehlstellung und eine damit verbundene Wiederherstellung der Funktion des betroffenen Beines. Je jünger das Tier ist und je kürzer der Zeitpunkt des Auskugelns der Hüfte zurückliegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Therapie erfolgreich verläuft. Der Grund dafür ist, dass die Knochen bei Küken noch deutlich weicher und somit flexibler sind als bei älteren Vögeln. Umgekehrt heißt das: Je härter der Knochen, desto schwieriger ist es, eine annähernd normale Gelenkposition wiederherzustellen. Deshalb ist es wichtig, bei einer Hüftluxation so schnell wie möglich zu handeln!

Um ein luxiertes Hüftgelenk wieder zu richten und dazu zu bringen, dauerhaft in einer anatomisch korrekten oder zumindest annähernd normalen Position zu verbleiben, muss ein Tierarzt das Gelenk durch Abtasten untersuchen. Dann muss er das Bein in die Normalposition bringen und es mit Hilfe von Bandagen und Schlingen so fixieren, dass das Hüftgelenk in der Normalstellung gehalten wird. Diese Fixierung muss das Jungtier einige Tage oder gar Wochen tragen, sie darf nicht entfernt werden.

Nicht jeder Tierarzt ist ein Spezialist in Sachen Vogelanatomieund beim geringsten Fehler in der Positionierung des Hüftgelenks wird die Behinderung für den Vogel durch den Therapieversuch noch schlimmer, als sie es ohne eine Behandlung wäre. Selbstversuche medizinischer Laien verbieten sich deshalb von selbst. Um einem betroffenen Vogel wirklich helfen zu können, ist es dringend erforderlich, einen solch heiklen gefiederten Patienten einem auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Tierarzt vorzustellen.

Pododermatitis (Fußsohlengeschwüre)
UntUnter den Füßen von Vögeln können sich Geschwüre bilden, diese Erkrankung wird in der Fachsprache als Pododermatitis bezeichnet. Stehen die Vögel ständig auf einem falschen Untergrund, kann es zu punktueller Belastung der Haut und zu Verletzungen führen. In diese Wunden dringen Krankheitserreger ein und es bilden sich Entzündungen. Diese sind für die betroffenen Vögel ausgesprochen schmerzhaft. Sind sie sehr weit fortgeschritten und ist der Knochen bereits angegriffen, ist eine Heilung kaum mehr möglich. Deshalb ist es für die Vögel von Vorteil, wenn ihnen in einem möglichst frühen Stadium geholfen wird. Meist muss ein Tierarzt die Geschwüre chirurgisch reinigen, anschließend erfolgen eine antibiotische Behandlung sowie eine regelmäßige Wundreinigung. Das Foto unten zeigt die schwer entzündeten Fußunterseiten einer Lachmöwe

Schwer entzündete Fußunterseiten bei einer Lachmöwe

Amputationen
Schwere Beinverletzung bei einer StockenteManche Verletzungen der Beine und Füße sind so gravierend, dass eine Heilung unmöglich ist. Dies ist häufig dann der Fall, wenn offene Knochenbrüche oder extrem schwere Einschnürungen vorliegen, die Sehen durchtrennt haben. Rechts ist ein solcher hoffnungsloser Fall am Bein einer Stockente zu sehen. Liegt eine so schwere Blessur vor, bleibt oft nur die Amputation als letzter Ausweg. Allerdings ist hierbei genau zu prüfen, ob der betroffene Vogel mit dem Verlust eines Beines zurechtkommen wird. Viele Vogelarten können dies kompensieren, darunter beispielsweise Stadttauben. Wildtauben wie Ringeltauben hingegen können einbeinig in Freiheit kaum überleben. Kleinere Singvögel kommen mit dem Verlust eines Beines in freier Natur oft ebenfalls nicht zurecht und werden durch eine Amputation zu Dauerpfleglingen in Menschenobhut. Ebenfalls problematisch gestaltet sich die Amputation bei größeren Wasservögeln, sie können mit nur einem Bein nicht richtig schwimmen. Stockenten wie das in diesem Abschnitt gezeigte Tier verkraften die Amputation eines Beines normalerweise gut und können anschließend trotzdem gut schwimmen.

Stockenten-Männchen nach einer Amputation

Unterbringung von Vögeln mit Beinerkrankungen
Singdrossel mit BeinbruchWeil sich Vögel, deren Füße oder Beine verletzt sind, meist nicht gut aufrecht halten können, nehmen sie weiche Unterlagen gern an. Breite Sitzäste, auf denen sie sich abstützen können, werden von manchen Pfleglingen gern angenommen, aber auch zerknäulte Handtücher, in die sie sich kuscheln können. Diese Art der Unterbringung ist vor allem für kleinere Singvögel sinnvoll, größere Vögel wie Rabenvögel oder Wasservögel brauchen entsprechend größere gepolsterte Sitzbereiche. Informationen zur Unterbringung eines Vogels mit ausgekugelter Hüfte (Liegeplattformen, etc.) finden Sie auf dieser Webseite über Ziervögel. Die Abbildung in diesem Absatz zeigt eine Singdrossel mit einem gebrochenen Femurknochen (Oberschenkel), die auf einem zusammengedrückten Handtuch sitzend genügend Halt findet. Foto © Anke Dornbach

Krankengymnastik als Trainingsmaßnahme zum Aufbau der Muskulatur
Taube bei der Krankengymnastik Leidet ein Vogel an Beinverletzungen (Knochenbrüche, Verstauchungen, Verrenkungen, Lähmungen, Verkrampfungen oder allgemeiner Schwäche in den Beinen), kann man versuchen, das Tier in einer Hängekonstruktion, wie sie auf dem Foto rechts zu sehen ist, langsam wieder an das Greifen zu gewöhnen. Bei diesem Training ist jedoch große Vorsicht geboten! Nicht jeder Vogel hält den Stress aus, der beim Anbringen der Konstruktion gegeben ist!

Hängt der Vogel anatomisch richtig (die Kloake muss auf jeden Fall frei bleiben und die Konstruktion darf nirgendwo einschnüren oder einschneiden), kann man mehrmals täglich gezielte Greifübungen durchführen, indem man ein Ästchen unter die Füße hält, sodass der Vogel greift. Normalerweise sollte ein Greifreflex einsetzen, wenn man den Ast vorsichtig gegen die Unterseite des Fußes drückt. An der mittleren Stelle des Fußes befindet sich ein entsprechender Reflexpunkt. Bleibt bei dem Training jede Art von Greifreflex aus, sollte unbedingt ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, da in einem solchen Fall ein neurologisches, also die Nervenbahnen betreffendes Problem vorliegen könnte. Foto rechts © Annika und Harry

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