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Erkrankungen der Geschlechtsorgane

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Legenot
Von dieser Komplikation der Fortpflanzung betroffene Vögel haben Schwierigkeiten bei der Eiablage. Das sich im Eileiter befindende Ei kann nicht herausgepresst werden. Legenot tritt gehäuft bei Vögeln auf, die durch das Legen zahlreicher Eier bereits geschwächt sind. Auch bei Vögeln, die an Kalziummangel leiden, kommt diese Geburtskomplikation vor. Außerdem kann eine länger währende Grunderkrankung ein Vogelweibchen so sehr schwächen, dass es nicht mehr zum normalen Legen der Eier fähig ist. Ein von dem Problem betroffenes Vogelweibchen verhält sich unruhig, von Zeit zu Zeit nimmt es eine gestreckte Körperhaltung ein, die auf Bauchschmerzen schließen lässtund das Tier wippt mit dem Schwanz, um das Ei hinaus zu pressen. Tastet man vorsichtig den Bauch ab, so kann man das Ei fühlen.

Als erste Hilfe sollte dem Vogel feuchte Wärme, beispielsweise in Form von Wasserdampf, zugeführt werden, ohne ihn jedoch zu verbrühen. Eine Legenot ist sehr anstrengend und raubt dem Körper Energie, sodass die Körpertemperatur sinkt. Deshalb sollte das Tier mit einer 60-Watt-Glühlampeoder noch besser mit einem Infrarot-Dunkelstrahler bestrahlt werden, um ihm Wärme zuzuführen. Das Einreiben der Kloake mit einigen Tropfen Olivenöl oder Sonnenblumenöl ist ebenfalls zu empfehlen, damit die empfindliche Schleimhaut gleitfähiger wird. Mit einer Pipette kann zudem sehr vorsichtig ein wenig Öl in die Kloake geträufelt werden. Versuchen Sie jedoch keinesfalls, das Ei herauszudrücken! Falls es dabei zerbricht, kann die empfindliche Schleimhaut verletzt werden!

Legt der Vogel das Ei trotz der Hilfestellungen innerhalb von drei Stunden nicht ab, ist ein Tierarzt aufzusuchen, der es gegebenenfalls operativ entfernt. Vor einer Operation kann das Ei in den meisten Fällen durch die gleichzeitige Injektion von Oxytocin und Calcium zum Legen gebracht werden. Ohne tiermedizinische Hilfe sterben Vogelweibchen binnen weniger Stunden an einer Legenotund das unter schrecklichen Qualen.

Kloakenvorfall, auch Eileitervorfall oder Legedarmvorfall genannt
Junger Mauersegler mit KloakenvorfallManchen Vogelweibchen gelingt es nicht, ein von ihnen produziertes Ei richtig abzulegen. Bleibt es im Bauchraum stecken, spricht man von einer Legenot, siehe oben. Doch das Ei kann auch an der Schleimhaut kleben bleiben und mitsamt dieser aus der hinteren Körperöffnung rutschen. Dann ist von einem sogenannten Kloaken- oder Eileitervorfall die Rede. Zu erkennen ist er an der nach außen gestülpten, dunkelroten und meist geschwollenen Kloakenschleimhaut. Oft klebt an der Kloakenschleimhaut ein Ei, das das Vogelweibchen nicht aus eigner Kraft loswird, ohne sich schwer oder gar tödlich zu verletzen.

Darüber hinaus können sogar Jungvögel von einem Kloakenvorfall betroffen sein. Der Grund hierfür ist meist ein Sturz aus großer Höhe. Prallen sie auf den Bauch, verrutschen die Organe und ein Teil des Darms quillt aus der Kloake. Die Fotos in diesem Textteil zeigen einen jungen Mauersegler, bei dem es wahrscheinlich aufgrund eines Sturzes zu einem Kloakenvorfall gekommen ist. Foto © Dagmar Offermann

Die nach außen gestülpte Schleimhaut trocknet rasch aus und stirbt dann ab. Tierärzte sprechen in solchen Fällen von einer Nekrose (abgestorbenes Gewebe) oder einer nekrotischen Veränderung der Schleimhaut. Je mehr Schleimhaut abgestorben ist oder je mehr Wunden diese aufweist, desto schlechter sind die Überlebenschancen des betroffenen Vogels. Ein von einem Kloakenvorfall betroffener Vogel kann außerdem in aller Regel keinen Kot absetzen und leidet zudem unter starken Schmerzen.

Ein Tier, das einen Kloakenvorfall erlitten hat, gehört umgehend in tierärztliche Behandlung. Auf dem Weg zum Arzt sollte die Schleimhaut mit einem sterilen Wundverband und steriler Kochsalzlösung befeuchtet werden, um ein weiteres Austrocknen zu verhindern. Der Vogel muss während des Transports so gelagert werden, dass er nicht stürzen kann. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um ein Weibchen handelt, in dessen Körper sich ein noch nicht gelegtes Ei befindet. Beim Tierarzt angelangt, wird das Ei unter Vollnarkose operativ entfernt und die Schleimhaut in den Körper zurückverlagert, sofern der Zustand des Vogels dies noch zulässt. Abgestorbene Bereiche muss der Tierarzt entfernen, da sie sonst zu einer Blutvergiftung führen können.

Junger Mauersegler mit Kloakenvorfall
Junger Mauersegler mit Kloakenvorfall, Foto © Dagmar Offermann

Damit die vorgefallenen Schleimhautbereiche nicht sofort wieder aus dem Körper des Vogels rutschen, verschließt der Tierarzt die Kloake des Tieres mit einer sogenannten Tabaksbeutelnaht. Diese sollte nicht so eng sein, dass der Vogel keinen Kot mehr absetzen kann, was der Tierarzt jedoch stets kontrolliert. Ferner verabreicht der Tierarzt dem Vogel ein Antibiotikum. Oft werden zusätzlich Kalzium, Vitaminpräparate und Elektrolyte eingegeben, die Verabreichung von Schmerzmitteln für Vögel ist meist ebenfalls sinnvoll. Die Tabaksbeutelnaht bleibt normalerweise für zwei Tage verschlossen, dann erst können die Fäden gezogen werden, sofern der Kloakenvorfall ausreichend gut verheilt ist. In dieser Zeit braucht der frisch operierte Vogel viel Ruhe.

Leider überleben viele Vögel die ersten 24 Stunden nach dem Eingriff nicht, weil sie durch den Kloakenvorfall zu viel Kraft verloren haben. Einen Versuch ist die Operation jedoch wert, sofern der Tierarzt der Ansicht ist, dass eine Chance für den Vogel besteht. Wird ein an einem Kloakenvorfall leidender Vogel zu spät aufgefunden und ist bereits sehr viel Gewebe des Darms oder Legedarms abgestorben, ist das Schicksal des Tieres oft bereits besiegelt. Jeder operative Eingriff kommt dann zu spät und die Vögel sterben meist in der Narkose.

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