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Schnabelverletzungen und -veränderungen

Grünspechtweibchen mit UnterschnabelbruchDer Schnabel ist für Vögel ein wichtiges Werkzeug für die Nahrungssuche und -aufnahme. Außerdem benötigen die Tiere ihn, um damit ihr Gefieder zu pflegen. Schnabelverletzungen und -veränderungen sind deshalb für Vögel äußerst gefährlich. Denn je nachdem, wie schwerwiegend die Verletzung oder Veränderung ausfällt, können sich die betroffenen Tiere nicht mehr eigenständig ernähren. In diesem Kapitel werden häufig auftretende Schnabelerkrankungen vorgestellt. Foto rechts: Grünspechtweibchen mit blutigem Unterschnabelbruch

Schnabelveränderungen
Die Ursache für Veränderungen in der Struktur des Schnabels ist meist eine Unterversorgung mit den Vitaminen A, C, Folsäure und dem Mineralstoff Kalzium infolge einer Mangelernährung. Der Schnabel wird dadurch weich und biegsam. In vielen Fällen wächst der Schnabel schief oder es treten sogenannte Kreuzschnäbel auf (siehe Fotos unten); auch kann es zu einem sehr raschen, übermäßigen Schnabelwachstum kommen. Bis gesundes Schnabelhorn nachgewachsen ist, müssen betroffene Vögel mit püriertem Futter ernährt und gegebenenfalls zwangsernährt werden.

Deformierter Schnabel einer Blaumeise    Deformierter Schnabel einer Blaumeise
Diese Blaumeise litt an einer extremen Schnabeldeformation. Fotos © TA Uwe Mengs

Schnabelverletzungen
Nebelkrähe mit verletztem Schnabel Zum Beispiel aufgrund von Kollisionsunfällen, aber auch durch Mangelernährung oder durch Kämpfe mit Artgenossen (Revierkämpfe in der Paarungszeit) kann es bei Vögeln zu Schnabelverletzungen kommen. Je nachdem, aufgrund welcher Ursache die Verwundung entsteht, handelt es sich um Risse (Fissuren), Spaltungen oder Brüche. Letztere können sich durch teilweises oder komplettes Abbrechen vom Ober- oder Unterschnabel darstellen. Unter dem sichtbaren Teil liegt ein Knochen versteckt, der das Schnabelhorn, das bei einem gesunden Vogel zeitlebens nachwächst, mit Blut und Nährstoffen für die Zellbildung versorgt. Wird dieser Knochen durch einen Bruch geschädigt, ist für den betroffenen Vogel meist keine Hilfe mehr möglich. Der Schnabel wächst später nicht mehr nach. Foto oben rechts: Verletzte Nebelkrähe © Sigrid Breineder

Ente mit Schnabelverletzung
Foto: Stockente mit gespaltenem Oberschnabel, © Iris Gurn

Sind nur Teile des Schnabels abgebrochen oder liegt eine Fissur vor, muss der betroffene Vogel mit weichem, zum Beispiel püriertem Futter ernährt und gegebenenfalls zwangsernährt werden. Es existiert bei Schnabelbrüchen zudem die Möglichkeit, den Körperteil zu rekonstruieren. Eine solche Rekonstruktion erfolgt entweder durch das Anbringen einer Prothese oder durch das Ankleben des abgebrochenen Stückes. Dies gelingt jedoch nicht in allen Fällen und bedarf der Hilfe eines fachkundigen Tierarztes, der auf die Behandlung von Vögeln spezialisiert ist.

Linktipp: Einem Tukan wurde von Jugendlichen der Oberschnabel mit einem Stock abgeschlagen und nun will man versuchen, dem Vogel eine Schnabelprothese anzupassen, die mit einem 3-D-Drucker gefertigt werden soll. Hier geht es zum Artikel.

Amselmännchen mit Unterschnabelbruch
Bei diesem Amselmännchen war der Unterschnabel gebrochen.
Er hing herunter, weshalb die Zunge des Vogels zu sehen war.

Grünspecht-Weibchen mit unheilbarem Unterschnabelbruch
Der Unterschnabelbruch dieses Grünspechtweibchens war so gravierend, dass der Knochen in Mitleidenschaft gezogen war. Eine Heilung war nicht mehr möglich, der schwer verletzte Vogel musste eingeschläfert werden. Das Foto entstand nach dem Einschläfern, um dem Tier durch die Veranschaulichung der schweren Verletzung keine unnötigen Schmerzen zuzufügen.

Schnabelbruch bei einer Kanadagans
Schnabelbruch bei einer Kanadagans

Schnabelfissur bei einem Turmfalken
Schnabelfissur bei einem Turmfalken

Idee zum Prothesenbau

Die Wildvogelhilfe-Leserin Sylvia ist Zahntechnikerin. Sie hat einen Versuch unternommen, eine Schnabelprothese für einen Rabenvogel zu bauen. Das Foto unten links zeigt den Schnabel ohne Prothese, rechts ist die montierte Prothese zu sehen. Das Material, aus dem sie die Prothese gefertigt hat, heißt "Pattern Resin". Es lässt sich mit einem Pinsel leicht auftragen, indem man ihn in Flüssigkeit und dann in das Materialpulver taucht, um die Mischung anschließend aufzutragen. Von Vorteil ist, dass das Material an der Luft schnell hart wird.

Henry ohne Prothese    Henry mit Prothese
Fotos © Sylvia

Eine Alternative wäre der für die Füllung von Zähnen verwendete Kunststoff, der lichthärtend ist. Das Aufbringen der Prothese ist damit allerdings laut Aussage der Zahntechnikerin schwierig. Um diesen Kunststoff am Schnabelstumpf befestigen zu können, muss dieser aufgeraut werden. Aber die Hornschicht an sich ist relativ dünn, weshalb sie sich nur sehr schlecht anrauen lässt - die Prothese kann nicht richtig haften.

Sylvia sagt über die von ihr gefertigte Prothese, dass sie sie idealerweise auch gern von unten, also von der Schnabelinnenseite, befestigt hätte. Dies war jedoch nicht möglich, da aufgrund der recht großen Schnabelverletzung und des kleinen Stumpfes an dieser Stelle durchblutetes Gewebe (Fleisch) war und kein Horn, an dem sie die Prothese hätte befestigen können.

Die gezeigte prothetische Versorgung hielt nur einige Wochen. Vögel üben mit ihren Schnäbeln einen ungeheuren Druck aus und manche Tiere, so auch der oben abgebildete Henry, stochern mit ihren Schnäbeln überall herum. Ist die Prothese zu groß und die Kontaktfläche, an der sie fixiert ist, zu klein, wirken enorme Hebelkräfte, die die Prothese nach einiger Zeit abreißen lassen.

Sollte jemand Ideen zum Prothesenbau für verletzte Schnäbel oder Vorschläge haben, so nehmen Sylvia und das Wildvogelhilfe-Team diese gern entgegen. Eventuell könnte jemand Erfahrungen in Bezug auf Material zur Herstellung künstlicher Fingernägel beisteuern? Dieser Ansatz könnte recht viel versprechend sein.

Fremdkörper am oder im Schnabel
Manche von Menschen achtlos weggeworfenen oder verlorenen Gegenstände können Vögeln zum Verhängnis werden. Immer wieder gelangen beispielsweise Vögel mit im Schnabel steckenden Angelhaken in die Obhut von Tierärzten oder Pflegestationen. Betroffen sind hiervon häufig Wasservögel und Möwen. Aber auch Rabenvögel, die sich gern an Fluss- oder Gewässerufern aufhalten und dort nach Nahrung suchen, gehören zu den oft betroffenen Arten. Häufig bohren sich die Fremdkörper nicht nur in den Schnabel selbst, sondern vor allem in das Gewebe im Rachen oder gar in die Zunge. Vögel, die dieses Schicksal ereilt hat, sollten nach Möglichkeit schnell eingefangen und umgehend einem Tierarzt vorgestellt werden. Dieser kann den Fremdkörper - gegebenenfalls operativ - entfernen und weitere notwendige Therapieschritte einleiten. Hierzu kann es gehören, eine medikamentöse Nachbehandlung durchzuführen.

In manchen Fällen hängen an Fremdkörpern wie Angelhaken auch noch Schnüre, die sich zusätzlich um Körperteile der Vögel wickeln, also beispielsweise um die Beine und Füße. Solche Abschnürungen können zu schweren gesundheitlichen Komplikationen führen.

Teichhuhn mit einem Angelhaken in Schnabel und Rachen
Teichhuhn mit einem Angelhaken in Schnabel und Rachen

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