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Nistgelegenheiten anbieten und vor Fressfeinden sichern

AmselnestWer Nistgelegenheiten aufhängen oder anderweitig installieren möchte, der sollte sich zunächst sorfältig überlegen, welche Vogelarten er damit bevorzugt ansprechen möchte. Darüber hinaus spielt es eine entscheidende Rolle, welchen Lebensraum man im Umfeld zu bieten hat und welche Spezies darin zu erwarten sind. Wer mitten in der Stadt wohnt, wird zum Beispiel kaum Chancen darauf haben, Feldsperlinge anzulocken. Gründliche Vorüberlegungen sind deshalb das A und O, um die eigenen Möglichkeiten sinnvoll auszuschöpfen und die im jeweiligen Umfeld vorkommenden Vogelarten gezielt ansprechen zu können. für die verschiedenen Bedürfnisse der einzelnen Spezies gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Nistgelegenheiten. Die Firma Schwegler bieten neben anderen Herstellern ein reichhaltiges Sortiment an Nistkästen und -höhlen für verschiedene Vogelarten an. Ein virtueller Rundgang durch deren Onlineshops öffnet ungeahnte Möglichkeiten. Foto oben rechts: Amselfamilie, © Birgit Rauch

Grundsätzlich sind Nistkästen aus Holzbeton oder Styroporbeton zu bevorzugen, da sie gegenüber Naturstammhöhlen oder Holznistkästen entscheidende Vorteile aufweisen: guter Verwitterungsschutz, ausreichender Klimaaustausch, größere Helligkeit und Schutz vor "Umbauarbeiten" durch Spechte und Kleiber. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige Nistkastentypen sowie Nisthöhlenmodelle exemplarisch vor.

Nistkasten für HöhlenbrüterEin geeigneter Kasten für Höhlen bewohnende beziehungsweise in Höhlen brütende kleinere Vogelarten, zu denen unter anderem die Kleiber gehören, sieht folgendermaßen aus: Drei vorhandene Öffnungen erhöhen die Helligkeit im Innern des Kastens, wodurch das Nest von den Vogeleltern nicht sehr hoch gebaut werden muss. Dadurch bietet sich im Innern der Nisthilfe mehr Platz für die Nestlinge. Außerdem bedeutet dies einen besseren Schutz vor Kälte und Fressfeinden. Die nebenstehende Abbildung zeigt einen solchen Höhlenbewohner-Nistkasten mit drei Öffnungen. Foto rechts © Firma Schwegler

HalbhöhleNeben den oben beschriebenen Nisthöhlen existieren ferner sogenannte Halbhöhlen. Das sind Kästen, die kein Einflugloch aufweisen, sondern an der Vorderseite eine große Öffnung besitzen. Genutzt werden sie unter anderem von Hausrotschwanz, Bachstelze, Grauschnäpper, gelegentlich Rotkehlchen und Zaunkönig. Durch die große Öffnung ist die von Rabenvögeln, Mardern und Katzen ausgehende Gefahr naturgemäß relativ groß. Abhilfe schaffen ein geeigneter Anbringungsort, der von Feinden nicht erreicht werden kann, sowie eine V-förmige Verkleinerung der Öffnung (siehe Abbildung rechts). Ein Stück Maschendrahtzaun vor der Öffnung erfüllt den gleichen Zweck. Foto rechts © Firma Schwegler

Kohlmeisen am NistkastenNist- und Halbhöhlen werden mit der Öffnung in Richtung Südosten aufgehängt, an windgeschützten Stellen ist dies allerdings nicht unbedingt notwendig. Die Reinigung der Höhlen erfolgt nach der Brutsaison, etwa ab Mitte September. Hierbei wird das alte Nistmaterial entfernt. Bei sichtbarem Parasitenbefall kann man das Nest mit heißem Wasser ausbürsten, oder man legt es in eine Plastiktüte gehüllt für einige Tage in die Kühltruhe. Im Winter dienen Nisthöhlen Fledermäusen und Insekten als Überwinterungsquartiere, deswegen sollten sie das ganze Jahr über hängen bleiben. Auch Vögel nutzen sie häufig als Schlafhöhlen. Aus den genannten Gründen sollten neue Nisthöhlen wenn möglich bereits im Herbst aufgehängt werden. Foto rechts: Kohlmeisen am Nistkasten, © Gaby Schulemann-Maier

WeidenkorbNicht nur Höhlen sind bei brutwilligen Vögeln sehr gefragt, sondern beispielsweise auch Weidenkörbe, siehe Abbildung rechts. Sie dienen Weißstörchen, Greifvögeln und Eulen als Grundlagen für solide Nester. Man bringt sie an geeigneter Stelle durch Festbinden in Baumkronen an und gibt eine dünne Schicht Rindenmulch hinein. Die Bewohner richten sich später mit einigen Ästen häuslich ein, bevor sie mit dem eigentlichen Brutgeschäft beginnen. Diese Nester, Horste genannt, werden für gewöhnlich jedes Jahr aufs Neue bezogen. Foto rechts © Firma Schwegler

Nistkasten für TurmfalkenBei vielen Landwirten ist der Turmfalke ausgesprochen beliebt, da er sich bis zu 90 Prozent von Mäusen ernährt. Turmfalken sind überdies sehr ortstreu, das heißt, wenn sie erst einmal ein Nest bezogen haben, werden sie es jedes Jahr wieder nutzen. Auch für sie sind spezielle Nistkästen verfügbar (siehe Abbildung rechts). Da Turmfalken in der Vergangenheit wie die meisten anderen Vogelarten auch durch den Menschen ihres natürlichen Lebensraums beraubt wurden, ist es für sie von großer Wichtigkeit, auf Nisthilfen zurückgreifen zu können. Wer Turmfalken hilft, der greift damit einem Jäger helfend unter die Flügel, der in unserem Ökosystem eine wichtige Rolle spielt. Auf der Internetseite des NABU gibt es hier eine Anleitung dafür, wie man Turmfalkennistkästen baut.

SchwalbenhausBesonders schwierig ist auch die Lage für die drei in Deutschland vorkommenden Schwalbenarten (Ufer-, Rauch- und Mehlschwalbe). Sie alle sind auf eine intakte Umwelt angewiesen, um sich fortpflanzen zu können. Vor allem Mehlschwalben benötigen zum Bau ihrer Nester Lehm, den sie aufgrund der zunehmenden Versiegelung von Böden nicht mehr finden. Es ist daher wichtig, ihnen nicht nur geeignete Nisthilfen zur Verfügung zu stellen, sondern auch Schälchen mit weichem Lehm auf dem Boden in der Nähe der Nisthilfen zu platzieren. Anderenfalls würden Mehlschwalben die Nisthilfen nicht annehmen, da sie sich selbst stets um die "Innenarchitektur" kümmern, was nur mit Hilfe von Lehm funktioniert. Foto rechts: Schwalbenhaus, © Jürgen Bunk

Schwalbenhaus im DetailIn manchen Orten sind in den vergangenen Jahren sogenannte Schwalbenhäuser aufgestellt worden, die als Siedlungen für Rauch- und Mehlschwalben gedacht sind. Was es mit diesen Häusern auf sich hat, kann unter anderem im entsprechenden Kapitel der Wikipedia nachgelesen werden. Dort gibt es außerdem einige weiterführende Links zu diesem interessanten Thema, das hoffentlich in Zukunft von weiteren Städten und Gemeinden aufgegriffen wird. Foto rechts: Schwalbenhaus, © Jürgen Bunk

Schutz vor Fressfeinden

Kastenvorbau zum Schutz vor FressfeindenEbenfalls von Bedeutung ist beim Anbieten von Nistgelegenheiten der Schutz der Vögel vor Mardern und Katzen. Hier bewährt sich ein Kastenvorbau, der das Angeln mit der Pfote verhindert, siehe Skizze rechts. Nachbars Katze kann sich auf diese Weise nicht mehr an den unter anderen Umständen leicht zu erbeutenden Jungvögeln gütlich tun beziehungsweise die Ruhe der Altvögel beim Brüten stören. Das folgende Video zeigt, wie leicht auf Nistkästen lauernde Katzen Vögel erbeuten können - der Star in dem Film hatte allerdings noch einmal Glück und konnte entwischen: Katze lauert am Vogelhäuschen auf gefiedertes Futter.

KatzenabwehrgürtelEin weiterer wirksamer Schutz gegen Katzen sind sogenannte Katzenabwehrgürtel, welche Nester und Höhlen auf Bäumen schützen, siehe Abbildung rechts. Durch diese Gürtel wird das Emporklettern der Fressfeinde an den Bäumen weitestgehend verhindert. Wichtig ist dabei, dass die Gürtel ausreichend hoch angebracht werden, also in einer Höhe von mindestens 2,5 Metern, damit Katzen nicht einfach darüber hinweg springen können und so dennoch den vermeintlich geschützten Baum erklettern können. Foto rechts © Firma Schwegler

Die Katzenbesitzerin Andrea Heiss hat uns ihre Erfahrungen mit dem Katzenschutzgürtel geschildert. Demnach ist es ihrer sehr schlanken und agilen Katze gelungen, sich zwischen den Stacheln hindurch zu zwängen und trotzdem den Baum zu erklimmen. Vermutlich sind auch Marder aufgrund ihrer wendigen und schlanken Körperform in der Lage, den Katzenschutzgürtel zu überwinden. Frau Heiss probierte verschiedene Möglichkeiten, um den Gürtel zu verbessern beziehungsweise das Nest im Baum mit alternativen Sperren für die Katze unerreichbar zu machen und auch andere Stellen in ihrem Garten abzusichern. Zunächst wurde der Katzenschutzgürtel mit einem sich nach unten öffnenden Trichter aus Maschendraht versehen. Wichtig ist, den Trichter so zu verflechten und zu befestigen, dass keine Verletzungsgefahr durch offene Drahtenden besteht.

Ein Drahtgeflecht verstärkt die Katzensperre zusätzlich
Ein Drahtgeflecht verstärkt die Katzensperre zusätzlich, Foto © Andrea Heiss

Eine weitere Möglichkeit ist, in die Stacheln des Katzenschutzgürtels lange Äste zu flechten, die ein Hindurchsteigen erschweren oder verhindern:

Mit Ästen verstärkter Katzenschutzgürtel

Mit Ästen verstärkter Katzenschutzgürtel
Mit Ästen verstärkter Katzenschutzgürtel, Fotos © Andrea Heiss

So wird die Teichfolie zugeschnittenFalls es Katzen nach wie vor gelingt, sich an dem Schutzgürtel vorbei zu zwängen, kann man sich laut Frau Heiss mit Teichfolie behelfen. Sie hat den Vorteil, sowohl stabil als auch wetterbeständig zu sein. Um sie zu befestigen, wird die Folie so zugeschnitten, dass sie um den jeweiligen Baum passt und gleichzeitig den Katzenschutzgürtel bedeckt. Um die Teichfolie befestigen zu können, muss sie an einer Stelle durchgeschnitten werden, siehe Grafik rechts (© Andrea Heiss). Diese Schnittstelle kann später mit Hilfe von Kabelbindern fixiert werden, damit sie für die Katzen keinen Durchlass bietet. Es ist wichtig, die Schnittstelle sehr fest zu verschließen, damit kein Platz für sehr schlanke Beutegreifer ist. Am besten bringt man deshalb möglichst viele Kabelbinder an, um die beiden offenen Enden des Teichfolien-Rings miteinander zu verbinden.

Teichfolie als zusätzliche Sicherung für den Katzenschutzgürtel
Teichfolie als zusätzliche Sicherung für den Katzenschutzgürtel, Foto © Andrea Heiss

Teichfolie eignet sich als zusätzliche Sicherung eines Katzenschutzgürtels
Teichfolie eignet sich als zusätzliche Sicherung
eines Katzenschutzgürtels, Foto © Andrea Heiss

Eine simple Methode eignet sich als Schutzvorrichtung für Holzlatten. Dafür wurde von Frau Heiss ein alter großer Plastikblumentopf an der Seite aufgeschnitten und um den Balken gehängt, mit Draht befestigt. Auch dieser Schutz hat sich bewährt, für das Anbringen an Bäumen ist er in aller Regel aber nicht optimal geeignet:

Ein Plastikblumentopf kann als Kletterstopp für Katzen dienen
Ein Plastikblumentopf kann als Kletterstopp für Katzen dienen, Foto © Andrea Heiss

Ebenso kann ein großer Plastikblumenuntersetzer entsprechend aufgeschnitten und um den Balken oder Stamm geklemmt werden:

Ein Blumenuntersetzer aus Kunststoff als Katzenkletterstopp
Ein Blumenuntersetzer aus Kunststoff als Katzenkletterstopp, Foto © Andrea Heiss

Ein handelsüblicher großer Plastikkorb, ebenfalls seitlich ausgeschnitten und aus dem Boden der Durchmesser des Stammes herausgeschnitten, ist ein hervorragender Schutz gegen Räuber. Eine weitere Möglichkeit, Baumstämme oder Balken gegen herauf kletternde Räuber zu schützen, ist ein langes Stück Plastikrohr etwa im Durchmesser des Stammes, das längs aufgeschnitten und um den Stamm geklemmt wird. An der glatten Oberfläche rutschen Räuber ab und kommen nicht hinauf.

Das Wildvogelhilfe-Team bedankt sich an dieser Stelle ganz herzlich bei Frau Heiss für diese wertvollen Tipps und das Bildmaterial.

Um Nisthilfen vor Madern zu schützen, gibt es ebenfalls verschiedene Ansätze. Auf dem Foto unten ist eine Variante zu sehen, bei der das Einflugloch mit einem zerschnittenen Kunststoff-Kanister ummantelt wird. Diese "Kunststoff-Manschette" ist so groß und glatt, dass Marder keinen Halt daran finden. Wichtig ist, den Rand nach dem Schneiden zu glätten, damit keine Verletzungsgefahr für anfliegende Vögel besteht. Am Boden des Kunststoff-Einschlupfkanals sollte ein angerautes Brett angebracht werden, damit die Vögel einen Halt finden. Das Brettchen lässt sich mit Schrauben am Nistkasten befestigen, der Kunststoff kann zum Beispiel mit einer Heißklebepistole angebracht werden.

Selbst gebauter Marderschutz
Foto © Heinz Förster

 

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