Home > Sonderbeiträge > Geschichten aus der Vogelaufzucht > Rauchschwalben - ein Aufzuchtsbericht

Diese Geschichte ist keine Anleitung zur Aufzucht, Ernährung und Haltung von Wildvögeln! Lesen Sie zu diesen Themen bitte unsere entsprechenden Kapitel! Es handelt sich bei diesem Text um subjektive Erfahrungsberichte, die durchaus Fehler enthalten können.

Wichtige Vorbemerkung des Wildvogelhilfe-Teams

Bei einigen Vogelarten ist es sinnvoll, nach dem Finden eines Jungvogels nach einem geeigneten Ammennest zu suchen und den jungen Vogel dort hineinzusetzen. Je jünger das Vogeljunge ist, umso größer ist dabei die Aussicht auf Erfolg. Mit etwas Glück akzeptieren ihn die Ammeneltern und ziehen ihn mit auf. Insbesondere bei Schwalben ist dies die beste Vorgehensweise und der Handaufzucht durch den Menschen vorzuziehen.

Aber Achtung: Dies funktioniert nur in einigen Ausnahmefällen und nur bei wenigen Vogelarten und darf nur unter genauer Beobachtung geschehen.

Wichtig ist, ein geeignetes Nest zu finden, in dem dieselbe Vogelart mit Jungen in etwa im selben Alter heranwächst. Die Einsetzung des Jungvogels muss schnell und möglichst ohne große Unruhestiftung vonstatten gehen. Anschließend muss für mehrere Stunden beobachtet werden, wie die Eltern auf den Neuling reagieren. In etwa 70% der Fälle ist diese Methode erfolgreich, aber nicht immer.

Vogelarten mit nur wenigen Jungen, wie zum Beispiel Amseln, Sperlinge, Finken, Grasmücken usw., bemerken es meist, wenn ein fremdes Junges im Nest sitzt und werfen es kurzerhand heraus. Vogelarten, bei denen nachweislich die Einbringung in ein Ammennest erfolgreich sein kann, sind beispielsweise Schwalben und Meisen.

Nun möchten wir Sie aber gern dazu einladen, den informativen Sonderbeitrag zu lesen.

Auf die Schwalbe gekommen - ein Aufzuchtsbericht

Mitte Mai 2001 drückte mir mein Vater plötzlich zwei Vogelbabys mit dem Kommentar in die Hand: "Versuch dein Glück, vielleicht bekommst du sie ja groß!" Was er mir da gab? Zwei kleine Rauchschwalben, 10 Gramm leicht und fast vollständig befiedert. Wir haben jedes Jahr einige brütende Rauchschwalben auf unserer Diele. Das Frühjahr 2001 war bis dato relativ kalt gewesen. Somit war es recht beschwerlich für die Altvögel gewesen, ausreichend Nahrung für ihre Jungen zu erjagen. Bei den Kleinen handelte es sich überdies offenbar um Halbwaisen. Wir hatten das Nest schon länger beobachtet und dabei festgestellt, dass es nur noch von einem Altvogel besucht wurde, der jedoch kein Futter mitbrachte. Vermutlich wusste das Tier nicht, was zu tun war. Die sechs Jungtiere fielen eins nach dem anderen aus dem Nest, nur zwei überlebten den Sturz. Da hatte ich sie nun vor mirund jetzt?

Normalerweise setzten wir verwaiste Jungtiere immer in Ammennester, also in der Nachbarschaft brütenden Rauchschwalbenpaaren, die selbst weniger als sechs Küken hatten - die ideale Lösung. Doch da wir unsere Tierhaltung aufgegeben hatten (meine Eltern sind Landwirte), waren auch die Schwalben weniger geworden, sodass nur noch dieses eine Paar bei uns brütete.

Da die Aufzucht durch andere Altvögel also leider nicht in Frage kam, entschloss ich mich, die beiden von Hand großzuziehen. Erst einmal nahm ich einen Strohhalm und nutzte ihn als Pipette, um den Kleinen lauwarmes Wasser zu geben. Stark geschwächten Tieren sollte man Traubenzucker oder Honig als Energiespender zum Wasser geben. Bei einem entsprechenden Reiz öffnen junge Rauchschwalben von allein den Schnabel, dazu reichte mein Finger offenkundig aus. Doch sie begriffen schnell, das da aus dem bunten Ding nur Wasser tröpfelte und ließen den Schnabel bald geschlossen.

Rauchschwalbenunterbringung Als Nestersatz wählte ich einen Kochtopf, den ich mit Zeitungspapier auslegte (siehe schematische Abbildung rechts). Als eigentliches Nest legte ich ein Küchentuch als Ring in den Topf. In diesem Ring machten es sich die beiden Jungvögel sofort gemütlich.

Schwalben liegen gern hoch. Das ist vor allem wichtig, wenn sie koten müssen. Sie brauchen eine gewisse Höhe als Stimulans, sonst haben sie Schwierigkeiten den Kot los zu werden. Er ist von einer dünnen Haut umgeben und schwarzweiß gefärbt. Sollte das Weiße, also der Urin, nicht weiß sein, stimmt etwas nicht mit dem Tier und man sollte einen Tierarzt aufsuchen. Das Gleiche gilt für ungeformte Ausscheidungen beziehungsweise Durchfall, wenn sie über einen längeren Zeitraum als 24 Stunden auftreten.

Den Topf stellte ich auf die nur leicht eingeschaltete Heizung. Er leitete die Wärme auch die Wände empor, sodass es die Jungvögel angenehm warm hatten. Nun musste Futter her ... doch welches? Da es schon recht spät am Abend war, behalf ich mir fürs Erste mit ungewürztem Tatar. Alle zwei Stunden wollten die beiden Vögel eine Pinzette voll Tatar. Um ihnen nicht zu viel Fett zuzumuten, kochte ich auch noch ein Ei und rührte den Gelbkörper darunter.

Um genau 22:00 Uhr war plötzlich Ruheund die Kleinen wollten partout nichts mehr fressen. Das irritierte mich erst, bis mein Vater meinte, dass dieses Verhalten eigentlich ganz logisch sei, denn jeden Abend schloss um 22:00 die Dielentür. Dann konnte keiner mehr hinein oder heraus. Demnach konnten auch die Schwalbeneltern kein Futter mehr bringen. für mich bedeutete es, dass ich die Nächte durchschlafen konnte, was ich sehr angenehm fand.

Hinweis: Wenn man sich junger Schwalben annimmt, muss man sich unbedingt über den Gesundheitszustand der Jungvögel klar werden. Meine beiden waren "nur" unterernährt. Bei unklarem Zustand eines Jungtiers muss man sofort einen Tierarzt aufsuchen!

Autorin des Sonderbeitrags: Martina Rajes

 

Schwalben-Unterscheidungshilfe (Altvögel)

Schwalben-Unterscheidungshilfe (Altvögel)
Links ist eine Mehlschwalbe zu sehen, rechts eine Rauchschwalbe. Foto © Dagmar Offermann

>>> Nächstes Kapitel