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Informationen rund um den Vogelzug

Weltweit finden jedes Jahr massenhafte Wanderungen statt, bei denen Tiere von ihren Sommer- in die Winterquartiere oder umgekehrt ziehen. Die gewaltigen Gnu-Herden, die den Mara-Fluss in der Serengeti überqueren, hat dank begnadeter Tierfilmer vermutlich schon fast jeder mindestens einmal im TV gesehen. Auch wissen viele Menschen, dass Walkühe ihre Jungen gern in wärmeren Gewässern zur Welt bringen und dafür im Sommer aus den kalten Gewässern der Antarktis beispielsweise vor die australische Küste ziehen. Was aber ist mit den vor unserer Haustür ansässigen Vögeln? Welche Arten ziehen zum Überwintern in den Süden und welche rücken aus dem arktischen Norden nach? Welche Routen wählen die Vögel für ihre jahreszeitlichen Wanderungen? Diesen und weiteren Fragen geht dieses Kapitel nach.

Begriffe rund um den Vogelzug

Der Vogelzug ist faszinierend und weckt das Interesse vieler Menschen. Kaum aber schlägt man als unbedarfter Laie ein harmloses Vogelbestimmungsbuch auf, springen einem seltsame Begriffe ins Auge, die man vermutlich noch nie zuvor in seinem Leben gehört hat. Zum Glück lässt sich das vogelkundliche Fachchinesisch recht leicht "übersetzen".

Was ist ein Zugvogel?
Rauchschwalbe Kurz und bündig formuliert, lautet die Definition: Als Zugvogel bezeichnet man alle Vogelarten, die zwischen ihrem Sommer- und Winterquartier zweimal im Jahr eine mehr oder minder lange Strecke zurücklegen.

Einige Beispiele: Kranich, Mauersegler, Eiderente, Rauchschwalbe (siehe Foto, © Gaby Schulemann-Maier).

Was ist ein Kurzstreckenzieher?
Mönchsgrasmücke Diejenigen Vogelarten, deren Überwinterungsgebiete nur maximal 2.000 Kilometer (selten mehr) von ihren Brutgebieten entfernt liegen, bezeichnet man als Kurzstreckenzieher.

Beispiele: Seidenschwanz, Mönchsgrasmücke (siehe Foto, © Gaby Schulemann-Maier).

Was ist ein Langstreckenzieher?
Weißstorch Unter dem Begriff Langstreckenzieher versteht man Vogelarten, deren Brutgebiete in aller Regel mehr als 4.000 Kilometer von ihren Überwinterungsquartieren entfernt liegen. Die Überwinterungsgebiete der meisten mitteleuropäischen Langstreckenzieher befinden sich südlich der Sahara, manche Arten ziehen sogar bis in die gemäßigten Zonen Südafrikas. Fast alle Langstreckenzieher reisen während der Nacht.

Beispiele: Küstenseeschwalbe, Kuckuck, Weißstorch (siehe Foto, © Gaby Schulemann-Maier).

Was ist ein Teilzieher?
Rotkehlchen Unter Teilziehern versteht man Arten, die entweder mit voranschreitendem Herbst nicht vollständig aus ihrem sommerlichen Verbreitungsgebiet abwandern, oder aber deren Populationen in weit auseinander liegenden mitteleuropäischen Landstrichen unterschiedliche Gewohnheiten an den Tag legen. Hierbei ist beispielsweise denkbar, dass die Population A einer Vogelart, die im Sommer in Norddeutschland lebt, den Winter dort verbringt. Die Population B derselben Vogelart, die während des Sommers in Polen verweilt, wandert hingegen im Herbst ab zum wärmeren Mittelmeer. Etwa 60 Prozent der rund 400 Brutvogelarten, die in Europa heimisch sind, gehören zu den Teilziehern.

Einige Beispiele: Amsel, Star, Rotkehlchen (siehe Foto, © Gaby Schulemann-Maier).

Was ist ein Standvogel?
Graureiher Der Begriff "Standvögel" bezeichnet diejenigen Vogelarten, die das gesamte Jahr am selben Ort verbringen. Sie sind meist sehr standorttreu. In manchen Büchern werden diese Tiere auch als Jahresvögel bezeichnet.

Einige Beispiele: Zaunkönig, Turmfalke, Elster, Graureiher (siehe Foto, © Gaby Schulemann-Maier).

Was ist ein Strichvogel?
Goldammer Mit dem Begriff Strichvögel bezeichnet man diejenigen heimischen Arten, die im Herbst und Winter ihr Brutgebiet verlassen, hierbei aber keine Wanderungen in südliche Richtung unternehmen. Sie bleiben anders als die Zugvögel in unseren Breiten. Ist es im Winter sehr kalt, suchen sie etwas wärmere Gebiete auf und ziehen in einen anderen Landstrich, woraus sich ihr Name ableitet.

Einige Beispiele: Grünfink, Goldammer (siehe Foto, © Gaby Schulemann-Maier).

Was ist ein Durchzügler?
Einige Vogelarten brüten in sehr hohen nördlichen Breiten und verbringen den Winter mitten in Afrika. Während sie von einem Standort zum anderen fliegen, passieren sie Mitteleuropa und damit auch Deutschland. Sie befinden sich hierzulande nur auf der Durchreise und landen mancherorts, um für einige Tage oder sogar nur Stunden zu rasten.

Einige Beispiele: Trauerseeschwalbe, Waldwasserläufer, Goldregenpfeifer.

Was ist ein Brutvogel?
Haussperling Wie der Name bereits andeutet, handelt es sich hierbei um Vogelarten, die in einem bestimmten Gebiet brüten. Bei ihnen kann es sich sowohl um Zugvögel als auch um Standvögel handeln. Allein Durchzügler, die sich in einem Landstrich lediglich im zeitigen Frühjahr oder im späten Herbst aufhalten, sind mit sehr großer Wahrscheinlichkeit keine Brutvögel in jener Gegend.

Einige Beispiele: Mehlschwalbe, Graureiher, Tafelente, Haussperling (siehe Foto, © Gaby Schulemann-Maier).

Was ist ein Sommervogel?
Rauchschwalbe Verbringt eine Vogelart lediglich den Sommer an einem bestimmten Ort, so wird sie in diesem geografischen Bereich als Sommervogel bezeichnet. Einige Bücher sprechen in Zusammenhang mit diesen Tieren von Sommergästen.

Einige Beispiele: Nachtigall, Wiedehopf, Weißstorch, Rauchschwalbe (siehe Foto, © Gaby Schulemann-Maier).

Was ist ein Überwinterer?
Nonnengans Auch dieser Name ist im Grunde selbsterklärend. Manche Vogelarten verbringen den Sommer in den arktischen Tundren, wo es winters extrem kalt wird. Sie ziehen daher im Herbst in für ihr Empfinden warme Gebiete, die durchaus in Mitteleuropa liegen können. So kommen manche Vogelarten in Deutschland lediglich im Winter vor, es handelt sich bei ihnen um Zugvögel. Auch etliche Teilzieher überwintern in Deutschland und verstärken zeitweise die hierzulande vorhandene Population ihrer Artgenossen. In manchen Büchern heißen Überwinterer auch Wintervögel oder ganz einfach Wintergäste.

Einige Beispiele: Eiderente, Wanderfalke, Nonnengans (siehe Foto, © Gaby Schulemann-Maier).

Die Rückkehr der Weltenbummler

Zilpzalp Wenn die Tage merklich länger werden, zeigt sich in der Natur zaghaft das erste Grün. Zeitgleich damit kehren etliche Zugvögel aus dem Süden zurück - jede Art an "ihrem" Datum. (Foto: Zilpzalp, © Gaby Schulemann-Maier)

Zu jedem Wechsel von einer kalten zur warmen Jahreszeit oder umgekehrt gehen in aller Welt schätzungsweise 50 Milliarden Zugvögel auf ihre Reise. Diese teils nur wenige Gramm schweren Geschöpfe der Luft pendeln zwischen ihrem Winterquartier und der Brutheimat.

Jede Vogelart hat ihren ganz persönlichen Zugrhythmus, also eine innere Uhr, die genau vorschreibt, wann es Zeit für die jeweilige Reise ist. Lange Zeit war dies den Menschen nicht bewusst, aber seit einigen Jahrzehnten sind die Ankunftstermine einzelner Vogelarten vielen Naturfreunden bekannt.

Bei den Ankunftsdaten der verschiedenen Spezies handelt es sich allerdings um Mittelwerte, die aus Beobachtungen extrahiert wurden, die zum Teil über viele Jahrzehnte akribisch notiert worden sind. Weite Wasserflächen oder ausgedehnte Höhenzüge können das lokale Mikroklima jedoch so sehr beeinflussen, dass die Ankunftszeiten der Vögel aufgrund der jeweils vorherrschenden Bedingungen um einige Tage nach vorn oder hinten von den Durchschnittswerten abweichen können. Auch heftige Unwetter, Kälteeinbrüche oder überdurchschnittlich warme Perioden beeinflussen die Rückkehrtermine der Vögel maßgeblich.

Relativ konstant bleibt hingegen trotz aller Witterungseinflüsse und lokaler klimatischer Begebenheiten der Abstand zwischen den durchschnittlichen Ankunftsterminen der verschiedenen Zugvogelarten.

SingdrosselTerminbeispiele für bekannte Vogelarten

Singdrossel = ca. 1. März (siehe Foto, © Gaby Schulemann-Maier)
Hausrotschwanz (aus dem Mittelmeerraum kommend) = ca. 15. März
Zilpzalp = ca. 15. März
Weißstorch (aus Afrika oder aus Spanien kommend) = ca. 15. März
Girlitz = ca. 2. April
Rauchschwalbe = ca. 8. April
Gartenrotschwanz = ca. 15. April
Mehlschwalbe = ca. 15. April (siehe Foto, © Gaby Schulemann-Maier)
MehlschwalbeMönchsgrasmücke = ca. 17. April
Nachtigall = ca. 25. April
Kuckuck = ca. 26. April
Mauersegler = ca. 28. April
Grauschnäpper = ca. 6. Mai
Neuntöter = ca. 9. Mai
Pirol = ca. 10. Mai

Wissenschaftler vermuten, dass das sich wandelnde Klima das Zugverhalten der Vögel maßgeblich beeinflusst. Zu diesem Thema bietet das Unternehmen "Infografik Pilavas und Heller" eine kostenlose PDF-Datei zum Herunterladen an.

Anhand dieser durchschnittlichen Rückkehrtermine lässt sich unschwer die Taktik des Kuckucks ablesen. Kleinere Singvögel sind bereits einige Wochen im Lande, während die parasitären Kuckucke gerade erst eintreffen. Sie suchen sich ihre Partner und paaren sich zu einer Zeit, in der die kleineren Vögel bereits ihre Nester gebaut und ihre Gelege darin platziert haben. Nun brauchen die Kuckucksweibchen nur noch ihre Eier in die Nester der unfreiwilligen Stiefeltern zu legen und können den Sommer von diesem Zeitpunkt an ohne weitere Verpflichtungen gegenüber ihrem Nachwuchs genießen.

Die Hauptzugrouten europäischer Vögel

Mönchsgrasmücke Der Himmel ist weit und grenzenlos. Dennoch verlaufen über unseren Köpfen regelrechte "Vogelstraßen". Einige werden von den Zugvögeln ganz besonders ausgiebig genutzt. (Foto: Mänchsgrasmücke, © Gaby Schulemann-Maier)

Um von Deutschland aus beispielsweise ins tropische Afrika zu gelangen, bräuchte ein Vogel theoretisch nur geradeaus nach Süden zu fliegen und gegebenenfalls einige hundert Kilometer vor dem Ende seiner Reise leicht nach Südosten zu schwenken. Entlang der Luftlinie fliegend, würden die Vögel zwar die kürzeste Strecke auf ihrem Weg ins Winterquartier zurücklegen. Dieser Weg wäre jedoch um ein Vielfaches strapaziöser und gefährlicher als andere Routen, die einige Umwege erfordern, insgesamt aber die Kräfte der Vögel schonen.

Die direkte Route
Nimmt man einen Globus oder eine Landkarte zur Hand, so kann man die Strecke von einem Punkt mitten in Deutschland, sagen wir Hannover, bis an die Küste des afrikanischen Staates Kamerun leicht nachvollziehen. Sie führt anfangs geradewegs über Deutschland hinweg in die Schweiz, wo sich die erste Barriere vor den Vögeln auftürmt: die Alpen. Diese zu überfliegen, würde für die teils nur 15 Zentimeter großen und wenige Gramm schweren ziehenden Singvögel einen immensen Kraftaufwand erfordern.

Wäre diese schwierige Bergetappe gemeistert, ginge es weiter über Norditalien hinweg. Lange würde der Flug nicht ruhig und vergleichsweise ungefährlich bleiben, denn schon bald hätten die Vögel das Mittelmeer erreicht. Indem sie die Route über den Golf von Genua gen Süden wählen würden, wären sie in permanenter Gefahr, beim kleinsten Anfall von Schwäche abzustürzen und in den Wellen zu versinken. Einzig Korsika und Sardinien würden ihnen festen Boden unter den Füßen bieten, aber von dort aus bis nach Nordafrika erstreckt sich noch viel mehr Wasser.

In Tunesien angekommen, würde sich die Lage für die gefiederten Reisenden weiter zuspitzen. Auf ihrer Route durch Algerien, den Niger und Nigeria müssten sie eine der mörderischsten Wüsten der Erde überfliegen. Die Sahara kennt keine Gnade, entlang der langen Strecke würden die Vögel massenhaft der Hitze und dem Wassermangel zum Opfer fallen. Erst im klimatischen Einzugsbereich des Golfs von Guinea, also nur wenige Grad nördlich des Äquators, stünden wieder Trinkwasser und vor allem Nahrung, zum Beispiel in Form von Insekten, zur Verfügung.

Die ökonomischen Routen
Zugrouten Den Zugvögeln ist viel daran gelegen, lebend im Winterquartier einzutreffen. Deshalb fliegen die meisten Fernreisenden unter ihnen entlang der westlichen und östlichen Hauptzugroute. Die westliche Route zieht sich von Deutschland aus über Frankreich, die Pyrenäen und anschließend über Spanien. Um in den afrikanischen Luftraum zu gelangen, wählen die meisten Westroutenzieher die Strecke über die Straße von Gibraltar. Dort trennen nur wenige Kilometer Wasser die beiden Kontinente Europa und Afrika.

Deshalb ist Gibraltar während der Hauptzugzeiten fest in den Händen der Vogelbeobachter. Wer beispielsweise Greifvögel wie die Wiesenweihe oder den Baumfalken aus nächster Nähe durch die Luft fliegen sehen möchte, der sollte es sich auf dem Felsen von Gibraltar mit seinem Fernglas gemütlich machen. Meist ziehen diese Vögel dutzendweise innerhalb weniger Minuten vorüber.

In Marokko angekommen, fliegen fast alle Zugvögel weiter in einem Bogen entlang der afrikanischen Küste nach Süden. Zahlreiche ziehende Küsten- und Wasservögel bleiben im Senegal und in Gambia, um dort an den Flüssen und in den weitläufigen Lagunen des Atlantiks zu überwintern. Manche andere Arten, darunter viele Singvögel, überqueren von Marokko aus die Sahara, um an ihr Zielgebiet im tropischen Zentralafrika zu gelangen. Dieses Teilstück der Westroute fordert zahlreiche Opfer unter den Tieren.

Neben der beschriebenen Westroute existiert ferner die östliche Strecke. Diese verläuft von Deutschland aus nach Südosten. Das gedachte breite Band, das die Vögel passieren, erstreckt sich hauptsächlich über Österreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Sobald die Zugvögel den europäischen Teil der Türkei erreicht haben, überfliegen sie das Marmarameer - am liebsten an besonders engen Stellen - und dann das türkische Festland (Anatolien). Sie wählen dabei mitunter eine Strecke, die sie in einem sanft geschwungenen Bogen über das Land und anschließend über das Mittelmeer östlich von Zypern führt.

Bald darauf treffen die Vögel in Syrien ein, wo sie sich wieder in südliche Richtung orientieren. Sie überfliegen den Libanon und schließlich Israel, einen weiteren extrem wichtigen Knotenpunkt des Vogelzugs. In Israel kann man während der Hauptzugzeiten genau wie in Gibraltar massenhaft Vögel beobachten. Alles, was unter den Zugvögeln Rang und Namen hat, rastet dort und tankt ein wenig Kraft für den Weiterflug nach Afrika. Vom Weißstorch bis hin zu Sing- und Greifvögeln ist im Heiligen Land alles vertreten.

Nachdem die Zugvögel Israel verlassen haben, fliegen sie weiter nach Süden, bis sie den Sinai und das Rote Meer hinter sich gelassen haben. In Ägypten und im Sudan überqueren viele von ihnen die Sahara, einige wählen Äthiopien als Ziel und überwintern dort. Die meisten anderen Arten zieht es noch weiter in den Süden, sie überwintern beispielsweise in Kenia oder in den tropischen Regionen Zentralafrikas. So manche Art wie etwa die Rauchschwalbe fliegt jedoch noch weiter bis nach Tansania. Sogar in Südafrika überwintern einige deutsche Zugvögel.

Die Routen der "Mittelmeer-Überwinterer"
Feuchtgebiet S'Albufera, Mallorca Einige Vogelarten benötigen zum Überwintern keine tropisch-heißen Temperaturen. Sie zieht es in die klimatisch milderen Gegenden Europas, also ans Mittelmeer. Es sind beispielsweise die Mittelmeerinseln, auf denen es sich im Winter gut leben lässt. Um zum Beispiel von Deutschland aus nach Mallorca zu gelangen - auch bei Vögeln ist diese Insel ein beliebtes Reiseziel für den Winter -, umfliegen die meisten Zugvögel die Alpen und wählen anschließend den direkten Weg übers Mittelmeer. Auf der Baleareninsel finden sich viele geschützte Plätze, an denen die Tiere im Winter gut über die Runden kommen (siehe Reisebericht über Mallorca mit ornithologischen Kapiteln). Foto: Feuchtgebiet S'Albufera, Mallorca, © Gaby Schulemann-Maier)

Vögel, die im östlichen Mittelmeerraum überwintern, wählen in aller Regel ebenfalls eine möglichst direkte Route, ohne dabei zu große Hindernisse in Form von Gebirgen oder zu lange Streckenabschnitte über dem offenen Meer zurücklegen zu müssen.

Prominente Zugvögel von A bis Z

A wie Alpenstrandläufer (Calidris alpina):
Das Brutgebiet dieser zierlichen, zwischen 16 und 20 Zentimeter großen Küstenvögel liegt im hohen skandinavischen Norden. An der deutschen Nordseeküste kommen sie das gesamte Jahr über vor, an der Ostseeküste überwintern die "Skandinavier".

Bachstelze B wie Bachstelze (Motacilla alba):
Im zeitigen Frühjahr kehren die unverwechselbar schwarz-weiß gefärbten Singvögel aus ihren Überwinterungsgebieten rund ums Mittelmeer sowie aus Afrika zurück, um in Deutschland zu brüten. Im Herbst machen sie sich wieder auf den Weg nach Süden in wärmere und damit nahrungsreichere Gefilde. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier

D wie Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus):
Nur in den warmen Monaten des Jahres stattet dieser unscheinbar braun gefärbte, gefiederte Singvogel Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern einen längeren Besuch ab, um hier seinen Nachwuchs großzuziehen. Den Winter verbringen Drosselrohrsänger im warmen Afrika.

Eiderente E wie Eiderente (Somateria mollissima):
An der Nord- und Ostseeküste leben einige Eiderenten das gesamte Jahr über. Die meisten ihrer Artgenossen sind jedoch Zugvögel, die in den warmen Sommermonaten in Skandinavien ihren Nachwuchs großziehen, um anschließend zusammen mit ihm auf dem Meer vor den deutschen Küsten zu überwintern. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier

Flussuferläufer F wie Flussuferläufer (Actitis hypoleucos):
Wie der Name es bereits vermuten lässt, hält sich diese Vogelart gern in der Nähe von Wasser auf, wobei sie nicht zwangsläufig ausschließlich an Flüssen anzutreffen ist. In Deutschland verbringt sie nur den Sommer, im Frühling und Herbst trifft man vielerorts auf Durchzügler, die hierzulande einen Zwischenstopp einlegen, weil sie aus noch nördlicheren Gebieten kommen beziehungsweise dorthin unterwegs sind. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier Grauschnäpper

G wie Grauschnäpper (Muscicapa striata):
In ganz Europa kommt diese graue, nur 14 Zentimeter große Singvogelart ausschließlich im Sommer vor. Den Winter verbringen die unscheinbar gefärbten Tiere im südlichen Drittel des afrikanischen Kontinents. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier

H wie wie Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros):
Hausrotschwanz Die metallisch klirrenden Strophen der männlichen Hausrotschwänze schallen vor allem im Frühling von unseren Dächern, sobald die Vögel aus ihrem mediterranen oder afrikanischen Winterquartier in Deutschland eingetroffen sind. In Südeuropa sind viele ihrer Artgenossen das ganze Jahr über am selben Ort heimisch, da es ihnen das Klima in jenen Ländern erlaubt, rund ums Jahr auf Insektenfang zu gehen und von der gefangenen Beute tatsächlich satt zu werden. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier

K wie Kranich (Grus grus):
Ihr Balztanz gehört zu den spektakulärsten Erscheinungen in der deutschen Vogelwelt. Die bis zu 1,2 Meter großen Vögel verbringen an der ostdeutschen Küste den Sommer und ziehen zum Überwintern in die Türkei, nach Nordafrika oder auf die iberische Halbinsel.

L wie Lachseeschwalbe (Gelochelidon nilotica):
Mit ihrer Körpergröße von etwa 35 Zentimetern und den sehr kurzen Beinchen wirken diese Vögel am Boden ein wenig tollpatschig. Leider bekommt man sie in Deutschland nur ausgesprochen selten zu Gesicht, da ihr sommerliches Verbreitungsgebiet vor allem in Dänemark sowie in südlicher gelegenen Teilen Europas liegt. Den Winter verbringen diese Vögel in Gebieten südlich der Sahara.

M wie Mauersegler (Apus apus):
Mauersegler "Sri-sri-sri" - so klingen die Rufe der Mauersegler, die während des Sommers die Luftherrschaft in den europäischen Städten übernehmen. Sie sind begnadete Vielflieger, die sogar im Flug schlafen. Wen wundert es da, dass sie den Winter in Afrika verbringen und diese lange Zugstrecke zweimal jährlich sozusagen mit links bewältigen. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier

Nachtigall N wie Nachtigall (Luscinia megarhynchos):
Ihren nicht nur in der klassischen Literatur viel gerühmten, melancholischen Gesang lässt die Nachtigall im Sommer erklingen, den sie hier in Deutschland verbringt. Die 16,5 Zentimeter großen, bräunlich gefärbten Singvögel überwintern im tropischen Afrika. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier

O wie Ortolan (Emberiza hortulana):
In einigen Bereichen Deutschlands sind die etwa 16 Zentimeter großen Singvögel während der Sommermonate anzutreffen, da sie hierzulande sowie in einigen benachbarten europäischen Staaten ihren Nachwuchs großziehen. Sie kommen sehr spät in den Brutgebieten an und verlassen Mitteleuropa wieder früh, um den Winter im tropischen Afrika zu verbringen.

P wie Pfeifente (Anas penelope):
Immerhin bis zu 51 Zentimeter lang kann diese Entenart werden, die den Sommer in Skandinavien verbringt. Um "warm" überwintern zu können, begeben sich die außerhalb der Brutsaison recht unscheinbar gefärbten Wasservögel nach Deutschland, wo sie vor allem im Bereich der Nordsee in Küstenniederungen oder in Flussmündungen sowie - in kleinerer Anzahl - auf Binnenseen auf den nächsten Frühling warten.

R wie Ringelgans (Branta bernicla):
Jahr für Jahr bevölkern ab dem späten Herbst bis zum späten Winter zahllose Ringelgänse die norddeutschen Küstengebiete sowie die Feuchtgebiete am Rhein in Nordrheinwestfalen. Diese bis zu 61 Zentimeter großen Vögel sind echte Fernreisende, denn sie verbringen die Sommer sehr hoch oben im Norden, also beispielsweise rund um Spitzbergen, in Island, Grönland sowie in extrem nördlich gelegenen russischen Tundren.

S wie Sanderling (Calidris alba):
Sanderling Schnellen Schrittes trippeln die 21 Zentimeter großen Küstenvögel während des Winters bevorzugt über sandige Strände, um am Spülsaum nach Nahrung zu suchen. Dabei sind die Vögel stets darauf bedacht, von den Wellen nicht durchnässt zu werden. Wie die Ringelgänse sind auch die Sanderlinge extreme Langstreckenflieger, sie verbringen den Sommer in nahezu denselben Gebieten wie die Gänse. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier

T wie Turteltaube (Streptopelia turtur):
Turteltaube Die Wärme liebende, bis zu 28 Zentimeter große und insgesamt recht zierlich wirkende Taubenart kommt in unseren Breiten lediglich im Sommer vor. Da diese in Savannengebieten südlich der Sahara überwinternde Vogelart recht scheu ist, bekommt man sie nur ausgesprochen selten zu Gesicht. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier

U wie Uferschwalbe (Riparia riparia):
Auf dem gesamten europäischen Kontinent von der iberischen Halbinsel bis hinauf in den hohen Norden Skandinaviens sind die nur zwölf Zentimeter großen Uferschwalben lediglich während der warmen Sommermonate "zuhause". Nur dann finden sie ausreichend Nahrung, sie sind geschickte Insektenjäger. Den Winter verbringen sie in Afrika.

W wie Wiesenweihe (Circus pygargus):
Wie nahezu alle anderen in Deutschland vorkommenden Weihenarten sind auch die Wiesenweihen nur während des Sommers hier. In manchen Landstrichen kann man sie lediglich im Frühling und im Herbst beobachten, während sie auf dem Zug ins Sommer- beziehungsweise Winterquartier sind. Die Greifvögel, deren Flügelspannweite bis zu 1,2 Meter betragen kann, verbringen die kalten Wintermonate im Gebiet südlich der Sahara.

Z wie Zilpzalp (Phylloscopus collybita):
Zilpzalp Es gibt wohl kaum einen anderen Vogel, der seinen Namen im Frühling und Sommer so deutlich vernehmbar schmettert wie der Zilpzalp. Diese nur elf Zentimeter großen Singvögel legen gewaltige Flugstrecken zurück, wenn sie von ihren afrikanischen Überwinterungsquartieren aus im Frühling nach Mitteleuropa fliegen beziehungsweise im Herbst dieselbe Strecke in der umgekehrten Richtung bewältigen. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier

Links, Literaturtipps und Medien zum Thema

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Bücher und Bildbände

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  • Peter Berthold
    Vogelzug - Eine aktuelle Gesamtübersicht
    Preis 29,90 €

  • Wulf Gatter
    Vogelzug und Vogelbestände in Mitteleuropa
    Preis 19,95 €

  • Luc Jacquet
    Die Reise der Pinguine
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CDs und DVDs

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Autorin des Sonderbeitrags: Gaby Schulemann-Maier

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