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Kolibris in Deutschland?

Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) Geschäftig schwirren sie von Blüte zu Blüte und tanken Nektar. Dabei scheinen sie in der Luft elegant zu tanzen, hin und wieder fliegen sie sogar rückwärts. Das müssen einfach Kolibris sein, die da durch die deutsche Natur schwirren. Oder etwa doch nicht ...? Wo kamen die doch gleich vor? Ach ja, in Mittel- und Südamerika, einige wenige Arten auch in Nordamerika. Auf keinem anderen Kontinent leben Kolibriarten, haben wir (hoffentlich!) in der Schule gelernt. Aber was bitte fliegt dann sommers durch unsere Gärten, Parks und wilde Blumenwiesen und führt uns an der Nase herum? Es sind Taubenschwänzchen, die zu den Schwärmern, also Schmetterlingen, gehören. Foto rechts © Björn Lichtmaneker

Die Familie der Schwärmer umfasst in aller Welt viele verschiedene Arten. Der überwiegende Teil der Schwärmer ist nachtaktiv, manche fliegen nur in der Dämmerung. Einige wenige Arten begeben sich am Tage auf die Suche nach Nahrung, so auch das Taubenschwänzchen, das auf Lateinisch Macroglossum stellatarum heißt. Schwärmer fallen vor allem durch ihren dicken, fleischigen Körper und ihre teils stattliche Körpergröße auf.

Die Vorderflügel der Taubenschwänzchen sind bis zu 2,5 cm groß, der Körper ist mindestens zwei Zentimeter lang. Unterhalb der Augen tragen Taubenschwänzchen, die auch Kolibrischwärmer genannt werden, einen langen, aufrollbaren Saugrüssel, wie er für Schmetterlinge typisch ist. Ihre Körper sind im oberen Bereich fein behaart und überwiegend grau gefärbt. An den hinteren Flanken befinden sich einige weiße Punkte auf schwarzem Grund; am hinteren Körperende tragen die Schwärmer überdies längere Haare, die wie ein Federschwanz anmuten. Sind die Vorderflügel in der Ruhestellung eingeklappt, sieht der Schwärmer unscheinbar graubraun aus. Im Fluge werden die kürzeren, innen liegenden Flügelteile sichtbar, die fuchsrot gefärbt sind.

Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) Taubenschwänzchen treten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor allem im Spätsommer auf. Ihre Häufigkeit schwankt von Jahr zu Jahr. In ihrem Verbreitungsgebiet trifft man sie sowohl in der unberührten Natur, als auch in Parks, Gärten und sogar an Balkonblumenkästen an. Im Herbst ziehen die Taubenschwänzchen nach Südeuropa. Nur an wenigen, ganzjährig überdurchschnittlich warmen Orten Deutschlands überwintern die Schwärmer. Foto rechts © Björn Lichtmaneker

Aufgrund ihrer rasanten, schnellen und ausgesprochen wendigen Flugweise werden Taubenschwänzchen immer wieder mit Kolibris verwechselt, was durchaus verständlich ist. Meist sieht man sie nur aus dem Augenwinkel an sich vorbei huschen und an Blumen Nektar trinken. Da liegt die Vermutung durchaus nahe, es handele sich bei dem beobachteten Tier um einen der zierlichen Tropenvögel. Um so gewandt fliegen zu können, müssen Taubenschwänzchen viel flüssigen Treibstoff in Form von Nektar zu sich nehmen. Sie können innerhalb von fünf Minuten mehr als 100 Blüten besuchen.

Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) Übrigens: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie tatsächlich einen Kolibri in der mitteleuropäischen Natur umherschwirren sehen, ist verschwindend gering. Zwar entkommen hin und wieder einige dieser tropischen Vögel aus Liebhaberzuchten oder zoologischen Gärten. Allerdings geschieht dies extrem seltenund es ist im Zweifelsfall davon auszugehen, dass es sich bei dem von Ihnen gesichteten "unidentifizierten Flugobjekt" um ein Taubenschwänzchen handelt. Foto rechts © Björn Lichtmaneker

Nähere Informationen über das Taubenschwänzchen und weiteres Bildmaterial - teils mit Abbildungen der Raupen dieser Schwärmerart - finden sich auf den folgenden Websites:

Die Hobbyfilmerin S. Klein hat uns freundlicherweise ihren phantastischen Aufnahmen eines Taubenschwänzchens zur Verfügung gestellt. Hier geht es zum Film (3,2 MB).

Autorin des Sonderbeitrags: Gaby Schulemann-Maier