Buchbesprechung: Gefiederte Jahreszeiten

Gefiederte Jahreszeiten Der größte Teil der vogelkundlichen Bücher beschäftigt sich auf eher distanzierte, wissenschaftliche Weise mit den einzelnen Spezies. Bestimmungsbücher beispielsweise zeigen dem Leser in Wort und Bild, wie diese oder jene Vogelart aussieht, wo sie vorkommt, wie sie sich ernährt und fortpflanzt. Andere Bücher stellen bestimmte Lebensräume vor, darunter beispielsweise die Küsten, an denen Möwen und andere Vögel vorkommen. Nahezu alle Bücher haben eines gemeinsam: Sie stellen die einzelnen Spezies nur schlaglichtartig vor und gehen fast ausschließlich auf "harte Fakten" ein.

Ganz anders verhält es sich da mit dem Buch "Gefiederte Jahreszeiten" von Thomas Griesohn-Pflieger. Ganz ohne farbige Hochglanzabbildungen der Vögel kommt es aus, was ihm aber keineswegs schadet, denn der Autor versteht es meisterhaft, mit seinen Geschichten aus der Vogelwelt rund ums Jahr das "Kino" im Kopf des Lesers heraufzubeschwören. Einige wenige in schwarzweiß gehaltene Illustrationen beflügeln die Phantasie noch zusätzlich.

Der Erzählstil ist persönlich, mitunter glaubt man förmlich das schelmische Grinsen des Autors vor sich zu sehen, wenn er zum Beispiel auf die Schrullen der Vogelbeobachter eingeht. Griesohn-Pflieger nimmt zudem in manchen Bereichen kein Blatt vor dem Mund und bezieht Stellung zu Themen, die in (Hobby-)Ornithologen- und Vogelschützerkreisen kontrovers diskutiert werden. Nie hat man dabei jedoch den Eindruck, der Autor möchte dem Leser seine Meinung aufdrängen.

In jeweils zwei bis drei Kapiteln zu jedem Monat des Jahres gibt der Autor nicht nur Beobachtungstipps zum Besten, sondern unterfüttert diese mit viel Wissenswertem und teils kuriosen, eher unbekannten Fakten aus der Vogelwelt. Jedes der zwischen zwei und fünf Seiten langen Kapitel dürfte ein echter Lesegenuss sowohl für Laien in Sachen Vogelkunde als auch für fortgeschrittene "Birdwatcher" sein. Wer dieses 143 Seiten starke Juwel der vogelkundlichen Literatur hübsch verpackt einem lieben Menschen oder gar sich selbst schenkt, dürfte damit sicher große Freude verbreiten.

Besprechung von Gaby Schulemann-Maier