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Bis wann sollte man füttern?

Erlenzeisige am FutterplatzWer sich dazu entschlossen hat, den Wildvögeln in Sachen Nahrungserwerb unter die Flügel zu greifen, der sollte die Fütterung nicht zu früh einstellen. Dies gilt insbesondere für Regionen, in denen wenige natürliche Futterquellen vorhanden sind, also beispielsweise in Ballungsräumen und Großstädten.

Bisher lautet der gängige Rat, man solle die einheimischen Vögel nur bis zum Ende des Winters füttern und auf gar keinen Fall mehr Nahrung reichen, wenn die Brutsaison beginne. Dann sei der Frühling da und die Vögel würden genügend natürliche Nahrung finden. Darüber hinaus würden sie ihrem Nachwuchs mit dem vom Menschen gereichten Futter schaden, weil die Jungtiere das Futter nicht vertragen. Das entspricht allerdings laut Professor Berthold (siehe Literaturliste) nicht der Wahrheit. Man kann die Altvögel bei der Aufzucht ihres Nachwuchses sogar aktiv unterstützen, berichtet der Ornithologe in seinem Buch, wenn verträgliche und nährstoffreiche Futtermittel gereicht werden, siehe Kapitel über die einzelnen Futtermittel. Foto rechts: Erlenzeisige am Futterplatz, © Patrizia Syz

Elster in einer WinterlandschaftDie Empfehlung, die Fütterung mit dem Beginn der Jungenaufzucht einzustellen, ist laut Berthold problematisch, weil einige Vogelarten besonders früh zur Brut schreiten und ihre Fortpflanzungsperiode somit in Zeiten fällt, in denen andere Vogelarten noch lange nicht brüten. Darüber hinaus sind in dieser Zeit verspätete Kälteeinbrüche durchaus üblich. Die damit verbundenen Todesfälle unter den Tieren mögen vor vielen Jahrzehnten, als es insgesamt noch deutlich mehr Vögel gab, nicht allzu gravierend gewesen sein. Heute jedoch zählt für viele Vogelarten jedes Individuum, das ein fortpflanzungsfähiges Alter erreicht und eine hohe Nestlingssterblichkeit aufgrund von Kälteeinbrüchen kann für einige Bestände zumindest lokal fatale Folgen haben. Foto: Elster in einer Winterlandschaft, © Jennifer Jürgens

Unter anderem aus diesem Grunde sollte man insbesondere in Gegenden mit nur wenigen natürlichen Nahrungsquellen bis April oder noch besser bis Mai Futter auslegen, sofern man die Vögel nicht ohnehin das gesamte Jahr über füttern möchte. Folgende Vorteile ergeben sich laut Berthold für die Vögel durch eine Ausdehnung der Fütterung bis in den Frühling, wobei das Futter der Brutperiode angepasst werden muss:

  • Erlenzeisige am FutterplatzIm Spätwinter und in den folgenden Wochen hält die Natur noch nicht viel Nahrung für die Vögel bereit. Nahezu alles, was vom Herbst vorhanden war, wurde im Winter von den Vögeln gefressen. Insbesondere in Ballungsräumen finden die Tiere in dieser Zeit deshalb kaum noch natürliche Nahrung und sind auf die Hilfe des Menschen angewiesen. Es wäre demnach grundlegend falsch, sie im Winter nach Kräften zu unterstützen und sie dann im zeitigen Frühjahr einfach ihrem Schicksal zu überlassen, weil man "nach dem Kalender" füttert und beschließt, im März müsse Schluss sein. Foto rechts: Kohlmeisen am Futter, © Hanspeter Bolliger/Pixelio.de
  • Einige Zugvögel kehren sehr früh aus den südlichen Überwinterungsgebieten heim. In manchen Jahren dauert der Winter besonders lang oder es kommt nach einigen wenigen warmen Tagen zu einem erneuten Kälteeinbruch. Die Standvögel (die Arten, die den Winter hier verbracht haben) und auch die Zuzügler, die von ihrer langen Reise geschwächt sind, stehen dann vor dem Problem, kaum natürliche Nahrung zu finden. Eine Zufütterung hilft ihnen durch diese gefährliche Zeit.
  • Aufgrund der strapaziösen Rückreise aus den Überwinterungsgebieten sind die meisten Zugvögel abgemagert, wenn sie hier eintreffen. Finden sie an Futterplätzen, deren Standort sie sich idealerweise im Herbst vor dem Zug in den Süden gemerkt haben, energiereiche Nahrung vor, können sie schneller zu Kräften kommen und gestärkt in die Brutsaison starten.
  • Die Aufzucht der Jungen ist eine anstrengende Phase für die Vogeleltern. Aber vor allem die Körper der Weibchen werden durch die Produktion der Eier schon im Vorfeld belastet. Sind die Weibchen vom Winter schwach und ausgezehrt, sinkt der Nährstoffgehalt in den Eiern und auch die Größe des Geleges schrumpft. Die schlüpfenden Jungtiere sind schwächer als diejenigen von Vogelmüttern, die keine Mangelernährung erleiden mussten. Können die Vogelweibchen hingegen während der Phase der Eiproduktion an Futterplätzen leicht energiereiche Nahrung finden, treten die genannten Negativaspekte meist nicht auf.

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