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Futter für Eulen und Greifvögel

Sperber mit geschlagener AmselVor allem in ländlichen Gebieten, aber auch in den Randzonen und grünen Bereichen von Großstädten und Ballungsräumen leben zahlreiche Greifvögel und Eulen. Diese Vögel brauchen in strengen Wintern oft Hilfe vom Menschen, um nicht zu verhungern. Diesen Tieren zu helfen, ist jedoch nicht leicht und erfordert einiges an Grundwissen. Durch falsches, nicht arttypisches Futter kann man Eulen und Greifvögel rasch töten, da ihr Verdauungssystem auf viele Futtermittel sehr empfindlich reagiert. Sie sollten sich deshalb unbedingt an die auf dieser Seite gegebenen Empfehlungen halten, wenn Sie diesen ausgewiesenen Nahrungsspezialisten durch eine harte Zeit helfen möchten. Beachten Sie bitte auch, dass Sie mitunter durch die Einrichtung eines Futterplatzes für kleine Singvögel den Greifvögeln unbewusst "helfen", denn dort, wo sich viele Gartenvögel zum Fressen versammeln, können Greifvögel leicht Beute machen. Verurteilen Sie die Vögel nicht, sie sind hungrig und von der Verzweiflung getrieben. Umso wichtiger ist es, ihnen artgerechtes Futter zukommen zu lassen, denn dann unterlassen sie meist die Jagd auf Kleinvögel. Foto: Sperber mit geschlagener Amsel, © Anke Dornbach

Mäusebussarde im Schneefür die Fütterung von Falken, Bussarden und Milanen eignen sich verschiedene Fleischstücke, am besten fragen Sie einen Falkner oder in einer Greifvogelwarte, welches Futter Sie im Detail verabreichen sollten und wo es in Ihrer Gegend erhältlich ist. An Autobahnen und viel befahrenen Straßen finden sich überdies Kadaver getöteter Wildtiere, die sich als Nahrung für die Greifvögel eignen - allerdings nur, wenn sie noch frisch sind! Und beachten Sie bitte, dass Sie nicht einfach totes Wild einsammeln dürfen, weil dies Jagdwilderei wäre. Sie müssen Ihr Vorhaben zuvor vom für das jeweilige Gebiet zuständigen Jagdaufseher absegnen lassen.

Es ist in aller Regel nicht zwingend erforderlich, den Vögeln gewöllbildendes Futter anzubieten, also Nahrung, die unverdauliche Teile wie Federn oder Fell enthält, die später zu Gewöllen werden und von den Greifvögeln wieder ausgespuckt werden. Doch wenn diese gewöllbildenden Teile vorhanden sind, nehmen die Greifvögel das angebotene Futter meist noch etwas lieber an, als wenn sie nicht vorhanden sind. Foto: Mäusebussarde im Schnee, © Jennifer Jürgens

Sperber auf einem FutterhausAn vielen Stellen werden Schlachtabfälle empfohlen. Diese sind jedoch nicht für die Fütterung geeignet. Bitte organisieren Sie lieber artgerechtes Futter, indem Sie wie bereits weiter oben erwähnt mit einem Falkner oder einer Greifvogelwarte sprechen und nach gutem Futter fragen. Gegebenenfalls kann man Ihnen sogar Bezugsquellen in Ihrer Nähe nennen. Geflügelfleisch, zum Beispiel Eintagesküken sowie jegliches Wirtschaftsgeflügel, können normalerweise verfüttert werden. Besonders gehaltvoll ist Taubenfleisch. Auch das Fleisch anderer kleiner Tiere, beispielsweise Kaninchen, können Sie verfüttern. Grundsätzlich gilt dabei aber: Schneiden Sie das Fleisch bitte niemals in schnabelgerechte Häppchen! Greifvögel verschlucken ihnen dargebotene, kleine Fleischbrocken am Stück. Da diese im Winter jedoch gefroren sind, liegen sie den Vögeln sehr schwer im Magen und können die Tiere innerlich auskühlen lassen, was zum Tode führen könnte. Auch innere Verletzungen sind keine Seltenheit, wenn Greifvögel scharfkantige, gefrorene Fleischbrocken schlucken. Deshalb sollte man es den Vögeln nicht zu einfach machen, denn aus gefrorenen Kadavern können sie meist nur so kleine Stücke herausreißen, dass sie sich durch diese Nahrung selbst keine gesundheitlichen Schäden zufügen. Zudem sollte das Fleisch, das man den Greifvögeln serviert, roh sein und nicht gekocht. Foto: Sperber auf einem Futterhaus, © Jennifer Jürgens

Achtung: für die Fütterung mit Fleisch gelten behördliche Regeln und Auflagen, die lokal höchst unterschiedlich sein können. Bitte erkundigen Sie sich beim örtlichen Veterinäramt, ob gegebenenfalls solche Auflagen für Ihren Landkreis existieren!

WaldkauzSchwieriger gestaltet sich die Fütterung von Eulen, da sie nur lebendes Futter annehmen. Fast alle Eulenarten jagen während der Nacht, sie spüren ihre Beute mit ihrem überaus feinen Gehör auf. Es ist daher sinnvoll, Kleinsäuger anzusiedeln, die prinzipiell sogar noch eine Chance haben, einer angreifenden Eule zu entkommen. Am besten eignen sich Brotreste und Getreide, um kleine Säuger wie Mäuse anzuziehen und sesshaft zu machen. Um die Kleinsäuger auf Feldern oder in Ihrem Garten anzusiedeln, können Sie darüber hinaus Stroh auslegen, das die Tiere gern als Nest aufsuchen. Eulen hören nachts das Rascheln der Kleinsäuger im Stroh und schlagen selbständig ihre lebende Beute. Bedenken Sie hierbei jedoch, dass Ihre Nachbarn unter Umständen wenig von der Idee angetan sind, dass Sie bewusst Kleinsäuger ansiedeln möchten. Foto rechts: Waldkauz, © Gaby Schulemann-Maier

In manchen Literaturquellen wird der Hinweis gegeben, man solle zum Beispiel lebende Mäuse in großen Kunststoffwannen in den Garten stellen, damit die Eulen sie fangen können. Diese Ratschläge sind nicht im Sinne des Tierschutzes, weil den Kleinsäugern auf diese Weise nicht der Hauch einer Chance bleibt, ihr Leben zu retten. Siedelt man hingegen Mäuse im natürlichen Umfeld an, so könnten sie prinzipiell noch fliehen, wenn sich ihnen eine Eule nähert.

Wichtiger Hinweis: Bevor Sie damit beginnen, Futter für Eulen oder Greifvögel auszulegen, sollten Sie unbedingt Kontakt zu Ihrem örtlichen Vogelschutzverein oder einer Naturschutzgruppe aufnehmen, um sich von den Mitarbeitern und engagierten Tierschützern persönlich beraten zu lassen! Eventuell betreuen die Tierschutzvereine bereits eine Fütterungsstelle und Sie könnten sich dort als freiwilliger Helfer einbringen.

Linktipp: Auf der Website der Greifvogelhilfe gibt es detaillierte Informationen zur Winterfütterung von Greifvögeln und Eulen.

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